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Eine Ode an die Studentenkultur

geschrieben am 06.06.2010 von shark (Bewertung: 9/10)
zum Festival StuStaCulum: 2010
bisher 3525 Mal angesehen


Es gibt ja über Studenten viele Vorurteile. Da ich selbst ehemaliger Student bin, kann ich bestätigen, dass die meisten davon Blödsinn sind, aber natürlich einige auch stimmen (aus persönlicher Sicht beispielsweise das mit der Faulheit und dem übermäßigen Bierkonsum). Was aber nun wirklich nicht stimmt, ist dass die meisten Studenten grundsätzlich kulturabstinente, arbeitsscheue Eigenbrötler sind, die nur in Bibliotheken vor sich hinvegetieren. Das deutschlandweit vielleicht herausragendste Beispiel für ein nur von Studenten auf die Beine gestelltes Kulturevent erster Güte ist mit Sicherheit das Musik- und Kulturfestival StuStaCulum. Seit 1989 findet das mittlerweile zum Kult gewordene Großereignis auf dem Gelände der Studentenstadt Freimann in München statt, der größten Wohnanlage für Studenten in Europa.

Ursprünglich als einmaliges Theater- und Musikevent zum 25. Geburtstag der Wohnanlage gedacht, zog das StuStaCulum bereits bei seinen bescheidenen Anfängen Besucher aus der ganzen Region an. Schnell etablierte sich das Festival, wuchs auf mehrere Tage an, bekam immer mehr Bühnen und zog ständig mehr Besucher und Bands an. Seit Jahren ist das StuStaCulum Kult und in der Wohnanlage, in der ich selbst viereinhalb Jahre gelebt habe, das zentrale Event das Jahres. Die Organisation, Künstleranwerbung und -betreuung, der Aufbau, der Bierausschank und die Gastronomie - sprich: Alles - wird von aktuellen oder ehemaligen Bewohnern der Studentenstadt selbst in die Hand genommen, und genau das verleiht dem Festival seit 21 Jahren seinen Reiz. Übermäßig bekannte Bands sind hier nicht zu finden, vielmehr treten Acts aus der Region auf. Dafür kostet der Eintritt aber auch nur schlappe 4 € für vier Tage, und auch die Preise an den Bier- und zahlreichen Essens- und Spezialitätenständen sind äußerst erschwinglich.

Auch die 22. Auflage des StuStaCulum kann uneingeschränkt als gelungen bezeichnet werden. Daran konnte auch das Wetter nichts ändern, das mal wieder nicht durchgängig mitspielte. Am Eröffnungstag, dem Mittwoch (2. Juni) goß es in München aus Strömen, und so blieb auch ich meiner alten Heimat fern. Es hätte aber eh keine Band gespielt, die mich beim Blick ins Programmheft besonders angesprochen hätte. Am zweiten Tag besserte sich das Wetter zumindest etwas, wenn es auch weiterhin leicht regnete. Erst am dritten Tag kam die Sonne raus, dafür aber richtig. Und am vierten und letzten Tag herrschte bestes Sommerwetter. Und so konnte ich immerhin die letzten drei Festivaltage in vollen Zügen genießen, alte Bekannte treffen, ratschen, die ein oder andere Maß Bier zu mir nehmen und - guter Musik lauschen.

Am Donnerstag überzeugte die Band Karoshi, in der einige Bewohner der Studentenstadt spielen und die Französisch- und spanischsprachigen Chanson-Ska liefert. Eine interessante Mischung, die charmant vorgetragen wurde. Am Abend sah ich mir noch eine eher maue Kabarettveranstaltung an, konnte danach aber die tolle Singer-Songwriterin Jacky Phoenix aus Augsburg genießen. Die junge Dame trug simple, kurze, aber ungemein schöne Songs mit einer wunderbaren und kraftvollen Stimme vor. Das absolut akzentfreie Englisch der schüchternen Sängerin stand in krassem, aber netten Gegensatz zu ihren Ansagen, die in astreinem bairisch vorgetragen wurden. Am Freitag lauschte ich ein paar Bands auf der Open-Air-Bühne im sogenannten Atrium, die mich allerdings nicht vom Hocker hauten. Dafür war dank des stark verbesserten Wetters die Stimmung auf dem gut gefüllten Festivalgelände stark verbessert.

Der letzte Festivaltag war nicht nur wettermäßig der schönste, sondern hatte auch die beste Musik zu bieten. Als ich am Nachmittag auf dem Festivalgelände ankam, konnte ich dem Großteil des Auftritts einer sehr guten Reggaeband namens Dub á la pub lauschen, die es schaffte, das zu solcher Uhrzeit traditionell eher spärlich besuchte Festzelt zum Kochen zu bringen. Danach machte ich mich auf den Weg zum grandiosesten Auftritt, den ich beim diesjährigen StuStaCulum miterlebt habe. Die Jazzcombo "leckerTrio" interpretierte zwar "nur" klassische Jazzstücke der altern Meister, dies jedoch in einer unglaublichen Virtuosität. Schlagzeug, Bass und Keyboard/Orgel wurden allesamt von wahren Könnern bedient, die bei den zahlreichen Instrumentalpassagen zeigten, was sie draufhaben. Das Publikum im Café Dada, der "alternativen" Bühne, war zurecht begeistert und goutierte die instrumental vorgetragenen Standards mit tosendem Applaus. Zum Abschluss des Festivals gab dann die ungarische Punkband Bankrupt in der Sporthalle noch einmal alles. Das sympathische Trio spielte über eine Stunde lang auf gleichbleibend hohem Energieniveau melodische Zweiminüter, die das beste des 70er-Punkrocks mit modernen Klängen verbanden. Der Auftritt machte noch einmal unglaublich Spaß, und vor der Bühne fand sich dann auch eine munter pogende und tanzende Meute ein, die das ganz genauso sah.

Und dann war das vielleicht charmanteste Festival der Welt auch schon wieder vorbei. Das Wohnheim wird nun in den nächsten Tagen zur Normalität zurück kehren. Doch eines ist sicher: auch nächstes Jahr um diese Zeit werden wieder abertausende Menschen in die Studentenstadt strömen, um gemütlich beisammen zu sitzen, Bier zu trinken, exotisches Essen auszuprobieren - oder einfach um guter Musik zu lauschen. Und das haben alles Studenten auf die Beine gestellt.

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