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Lagwagon und No Use For a Name - oder: Was Punk und Wein gemeinsam haben

geschrieben am 28.07.2010 von shark (Bewertung: 9/10)
zum Konzert des Künstlers Lagwagon am 27.07.2010 in München, Deutschland (Backstage-Werk)
bisher 4526 Mal angesehen


Wenn zwei großartige Punkbands aus den seligen 90ern gemeinsam ein Konzert geben, muss man da als Fan natürlich hin. Zumal ich noch nie das Vergnügen hatte, No Use For A Name live zu sehen, und Lagwagon auch erst einmal, und da war ich mit ihrem grandiosen musikalischen Vermächtnis leider noch nicht vertraut. Die Vorfreude war also groß, und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Eher im Gegenteil.

Im gut gefüllten, wenn auch nicht restlos ausverkauften Backstage-Werk eröffneten zunächst die Kanadier von This Is a Standoff den Abend. Das mir völlig unbekannte Quartett präsentierte, dem Thema des Abends entsprechend, melodischen Punkrock der verspielten Sorte. Das war wesentlich weniger geradlinig als etwa No Use For a Name, sondern fast schon als komplex zu bezeichnen. Viel hängen blieb leider nicht, aber die Jungs sind es wohl schon wert, sich mal eingehender mit ihnen zu beschäftigen.
Danach kamen No Use For a Name auf die Bühne. Die Melodycore-Veteranen um Sänger Tony Sly zogen ein astreines Powerset durch. Viel falsch machen konnten sie aber eh nicht, sie spielten einfach ihre bekanntesten Songs von „Dumb Reminders“ über „Invincible“ bis hin zu den beiden Evergreens „International You Day“ und „Justified Black Eye“. Bei melodiösen Punkgranaten dieses Kalibers müsste man schon viel verbocken, um die Menge zu enttäuschen. Und das taten No Use For a Name nun wirklich nicht. Zwischen den Songs war hauptsächlich Bassist Matt Riddle für die Unterhaltung zuständig. Tony Sly wirkte, abgesehen von seinem klaren und ausdrucksstarken Gesang, der ein klares Markenzeichen von No Use ist, etwas angespannt und müde. Das machte die Show aber keineswegs schlechter. Gitarrist Chris Rest, der seit etwa zwei Jahren in der Band ist und eigentlich bei Lagwagon spielt, hielt sich nicht mit Einsatz zurück, obwohl er direkt im Anschluss noch ein zweites Set zu spielen hatte.

Die Stimmung war schon jetzt klasse, der Moshpit unten vor der Bühne brodelte und die altgedienten, aber keineswegs schwächelnden Veteranen aus den USA bekamen den mächtigen Applaus, den sie verdienten. Da ich persönlich aber ein größerer Lagwagon-Fan bin, kam mein persönliches Highlight des Abends erst noch.
Lagwagon wollten ihren alten Kumpels, die vor ihnen auf der Bühne gestanden hatten, in nichts nachstehen und wirkten wie aufgedreht. In ihr etwa 75 Minuten langes Set schmuggelten sich zwar viele sehr alte und weniger bekannte Songs, weswegen Klassiker wie „Bombs Away“ außen vor blieben, aber das machte gar nichts. Die Band um Sänger Joey Cape und den über zwei Meter großen Gitarristen Chris „Big Bitch“ Flippin präsentierte sich gut gelaunt und bis in die Haarspitzen motiviert. Das Zusammenspiel war unglaublich tight, die schön melancholischen Melodien kamen punktgenau und auch die Ansagen hatten höchstes komödiantisches Niveau. Dazu noch die unvergänglichen Klassiker: „Violins“, der vielleicht schönste Lagwagon-Song, kam schon relativ früh im Set. Dann noch „Island of Shame“, „Sick“, „Alien 8“ und „Razor Burn“. Ich war nur noch selig am mitgröhlen und traute mich auch des öfteren in den äußerst aggressiven, weil aufgeputschten Moshpit hinein. Kurz vor Ende des regulären Sets verkündete Cape dann zwei Lieder meines persönlichen Lieblingsalbums „Resolve“ - es kamen die beiden ersten Lieder „Heartbreaking Music“ und „Automatic“, und spätestens jetzt wusste ich, dass ich diesen Abend immer in Ehren halten würde.
Die Zugabe, die viele hundert Stimmen forderten, hatte dann noch einmal zwei Schmankerl zu bieten. Zunächst das grandiose Brett „May 16“, vielleicht die beste Hymne im Lagwagon-Katalog, und dann als Abschluss ein All-Star-Coversong. Matt Riddle und Tony Sly kamen noch einmal auf die Bühne, um Lagwagon beim Motörhead-Cover „Ace of Spades“ zu unterstützen. Sly an der Gitarre und Riddle als Lemmy-Verschnitt am Mikro. Unnötig zu erwähnen, dass auch diese Coverversion energiegeladen bis zum äußersten und absolut großartig war. Der Auftritt von Lagwagon war das beste Konzert, das ich in den letzten Jahren gesehen habe, und der beste Beweis dafür, dass auch Punkbands wie ein guter Wein im Laufe der Jahre besser werden. Von wegen „Legenden der 90er“ - genau wie No Use For a Name ist diese Band immer noch relevant.

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