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Rezensionen

(beNUTS - Sex Sells)
An dieser Stelle soll ein wunderbarer Tonträger einer leider viel zu unbekannten Band aus dem Süden Deutschlands gewürdigt werden: "Sex Sells", das vierte Album der... mehr
30 Jahre Punkgeschichte in eineinhalb Stunden

geschrieben am 08.08.2010 von shark (Bewertung: 10/10)
zum Konzert des Künstlers Bad Religion am 02.08.2010 in München, Deutschland (Tonhalle)
bisher 4320 Mal angesehen


Eine Frage stellte sich im Vorfeld des Bad-Religion-Konzerts in München natürlich schon. Kann eine Band, die man nach langen Jahren endlich einmal live erleben darf, die aus einem Kanon von 14 exzellenten Studioalben und etwa 50 absoluten Lieblingsliedern auswählen muss und die man für ihre einzigartige Verbindung von krachendem Hardcorepunk und poppigen Backgroundchören vergöttert – kann diese Band den übergroßen Erwartungen überhaupt gerecht werden?

Aber hallo! Klar kann sie das. Bad Religion lieferten schlicht und ergreifend eine grandiose Show ab. Das Publikum in der prall gefüllten Tonhalle hatten die Veteranen auf der Jubiläumstour zum 30jährigen Bandbestehen von der ersten Sekunde an im Griff. Mit unbändiger Energie prügelte sich das Quintett – ohne Gründungsmitglied Brett Gurewitz, der nur bei Konzerten in den USA mitspielt – etwa eineinhalb Stunden lang durch jede ihre Schaffensphasen und nahm dabei zu keiner Sekunde den Fuß vom Gaspedal. Egal, ob „Fuck Armageddon … This is Hell“, „Suffer“, „I Want to Conquer the World“, ob „Generator“, „Atomic Garden“, ob „American Jesus“ oder „Infected“ - die Hits waren alle da. Und sie wurden alle in atemberaubender Perfektion dargeboten. Das auf Platte teilweise schon wahnwitzige Tempo steigerten die Jungs live meistens noch um ein gutes Stück.

Wie war das nochmal mit dem Alter? Nur zur Erinnerung: Bis auf Schlagzeugmonster Brooks Wackerman mit seinen zarten 32 Lenzen gehen alle Bad-Religion-Mitglieder schon stramm auf die 50 zu. Das merkte man den Herren aber zu keiner Sekunde an. Bassist Jay Bentley hatte nach dem dritten Lied sein Shirt runter und präsentierte einen beneidenswert gestählten Adoniskörper, Brian Baker und Greg Hetson sprangen, bangten und wuselten von einem Ende der Bühne zum anderen – und Sänger Greg Graffin, der Punkprofessor, hatte ohne die geringste Showeinlage das Publikum das ganze Konzert über sicher im Griff.
Da saß jede Gesangslinie, da passte jede Backgroundharmonie, da traf jede der hochgradig philosophischen und politischen Textzeilen ins Mark. Noch dazu rockte sich die Band mit jedem Lied weiter ins Delirium: Wackerman prügelte immer hypnotischer die Felle, brachte immer waghalsigere Drumbreaks unter und die Gitarrensoli der Herren Hetson und Baker wurden auch immer ausgeflippter.

Als ob das normale Set nicht schon beeindruckend genug gewesen wäre, wussten Bad Religion zudem, was sie ihren Fans schuldig sind. Als Zugabe wurde ein drei Lieder starkes Greatest-Hits-Set aufgeboten: „21st Century Digital Boy“, „Sorrow“, „Punk Rock Song“. Unnötig zu erwähnen, dass auch diese schneller, lauter und noch besser waren als auf CD. Ich habe zwar in letzter Zeit einige sehr gute Konzerte gesehen, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass mich seit langem keines mehr so beeindruckt zurückgelassen hat wie der Auftritt dieser Melody-Punk-Veteranen aus Kalifornien.

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