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Sie werden immer besser ...

geschrieben am 02.11.2007 von shark (Bewertung: 9/10)
zur Veröffentlichung .limbo messiah von Beatsteaks
bisher 1093 Mal angesehen


Mit "Smack Smash" hatten die sympathischen und stets unterhaltsamen Berliner ja den ganz großen Wurf gelandet. Mal ehrlich, wer hätte wohl gedacht, dass die Platte derart durchstarten würde und die Beatsteaks unzählige Konzerte vor ausverkauften Häusern kreuz und quer durch Deutschland spielen würden? "Hand in Hand" und "I don't care as long as you sing" waren logische Hits, tanzbare Ohrwürmer - aber dabei nicht anbiedernd, sondern im Gegenteil äußert charismatisch, ein Beweis, dass nicht alles schlecht sein muss, was bei der Masse ankommt. Außenrum noch zehn weitere knackige punkige Alternativerocksongs gepackt, und fertig war das Hitalbum.

Für den Nachfolger hätten die fünf Beatbuletten nun den einfachen Weg wählen können und das Konzept wiederholen können, es hätte garantiert funktioniert. Dass sie eben dies nicht getan haben, ehrt die Band und zeigt, dass wir es hier mit ernsthaften Musikern zu tun haben, denen die Verwirklichung künstlerisch hochwertiger Ideen mehr wert ist als die Kohle. Denn der schwierige Weg, den die Beatsteaks als Alternative zum angesprochenen Einfachen eingeschlagen haben, drückt sich in einer viel düsteren Gesamtatmosphäre aus, die "limbo messiah" umgibt, und ausserdem darin, dass viel mehr experimentiert und neues Terrain erkundet wurde als auf irgendeinem der vier ersten Beatsteaks-Alben.

Sicher, es gibt auch noch Lieder, die ohne weiteres auf "Smack Smash" gepasst hätten, wie die deftige Vorabsingle "Jane became Insane", bei der nebenbei bemerkt Schlagzeuger Thomas Götz im Refrain ein sehr geiles Debüt als Leadsänger hinlegt, oder "Meantime", welches auf äußert angenehme Weise dem melancholischen "What's coming over you" vom Vorgänger ähnelt. Aber dann gibt es halt auch abgedrehte Nummern wie beispielsweise das Offbeat-lastige, aber deswegen noch lange nicht sonnige "Cut Off The Top". Auch hier herrscht durch den hypnotischen Bass und die Gesangsmelodie eine düstere Atmosphäre vor, die dem Song eine einzigartige Note gibt - das Lied ist ein Kracher. Selbiges gilt für "She was great". Auch hier haben die Beatsteaks mächtig rumexperimentiert und mal eben einen lässig groovenden Tanzbodenfüller verfasst. Arnim Teutoburg-Weiß darf sich hier als Nachfolger von Prince versuchen und fast das gesamte Lied im Falsett singen, und er macht das - wie sollte es bei einem derart guten Sänger auch anders sein - großartig. "She was great" ist neben "Jane became Insane" der fröhlichste Track auf "limbo messiah", der Rest des Albums ist wie bereits erwähnt sehr düster und hart ausgefallen.

Denn bereits der Opener "As I Please", der Gitarrenspur über Gitarrenspur schaufelt, ist heavy as hell und gibt den Grundtenor des Albums vor. Noch deftiger wird das Ganze beim dritten Song "Sharp, Cool & Collected", der das Tempo mächtig anzieht und zugunsten von zwingender Härte auf einen Ohrwurmrefrain verzichtet. Hier darf Arnim mal wieder richtig schön shouten wie in den guten alten "Launched"-Zeiten. Der zwischenzeitliche Höhepunkt des Albums kommt an fünfter Stelle und trägt den Namen "Demons Galore". Wahnsinn, wie im Strophenteil das extrem schnelle Punkschlagzeug und die Gitarren scheinbar aneinander vorbei spielen, aber wie dann doch wieder alles passt und sich in einen mächtigen Refrain auflöst: "This is mine, it will never be yours" singt Arnim, und man ist geneigt zu sagen: Stimmt! Denn die Muße und das Talent, ein Lied aus so vielen unterschiedlichen Teilen zu einem stimmigen ganzen zusammenzuschweißen, hat nicht jeder.

Ebenfalls in der harten Schweinerockschiene fahren "Bad Brain", das nicht umsonst so heisst (schöne Reminiszenz an die alten HC-Helden aus den 80ern!) und das elektronisch angehauchte "Soljanka", mit fast vier Minuten das längste Lied auf der Platte, die von kurzen, aggressiven Songs geprägt ist. "Soljanka" ist ein weiteres Highlight und wechselt nach ca. zwei Minuten gemoshe in einen Queen-artigen Outro-Teil, der dramatische Chöre aufeinanderstapelt, dann in einem lauten Part auflöst, bevor eine sanfte Gitarrenfigur das Lied beendet. In nur 3:54 sind hier mehr Ideen verarbeitet, als manch andere Band auf einem ganzen Album schafft - chapeau!

Der Song "E-G-O" ist ein würdiger Abschluss dieses tollen Albums und ein weiteres Juwel. In einem munter vor sich hin stampfenden Song singt nämlich nicht etwa Arnim die Strophen, sondern Gitarrist Peter Baumann mit seiner Schuljungenstimme, bevor Arnim im Refrain dagegenshoutet. Wie sich beide die Bälle zuspielen, hat große Klasse. Der Song ist vielleicht sogar der Beste auf dem ganzen Album, wobei eine diesbezügliche Festlegung ungerecht gegenüber den unzähligen weiteren Highlights auf "limbo messiah" wäre. Die Beatsteaks haben hier ihr bestes Album abgeliefert, das ihrem ohnehin schon mit Ohrwürmern gesegneten Liverepertoire noch einige neue hinzufügt und äußert große Neugier auf ihren weiteren Werdegang weckt. "Limbo messiah" ist definitiv ein Höhepunkt, aber wer weiß - vielleicht wachsen sie ja noch weiter?

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