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Shake your rag doll, baby! Oasis entdecken den Groove

geschrieben am 13.10.2008 von shark (Bewertung: 9/10)
zur Veröffentlichung Dig Out Your Soul von Oasis
bisher 1440 Mal angesehen


Viele hatten nicht mehr daran geglaubt, doch 13 Jahre nach (What's the Story)Morning Glory haben Oasis wieder ein Album vorgelegt, das die Magie der Anfangstage einfängt. Auch wenn die einstigen Britpop-Heroen auf "Dig Out Your Soul" anders klingen als noch auf jenem Album oder dem Debüt Definitely Maybe. Zunächst einmal gilt es jedoch, eine Lanze für die Alben zwischen 1995 und heute zu brechen. Keines der vier in der Zwischenzeit erschienen Machwerke war "schlecht", aber auch keines so durchgängig gut und zwingend wie "Dig Out Your Soul".

Anno 2008 präsentieren sich Oasis als abgeklärte Rockstars, in denen aber noch eine Menge Leben steckt. Der große Unterschied zu allen bisherigen Alben ist, dass die Band, wie bereits von Noel Gallagher angekündigt, ihre Liebe zum "Groove" entdeckt hat. Viele Lieder wie z.B. das absolut grandiose "The Turning" oder auch die kompromisslos rockende Single The Shock of the Lightning bringen garantiert jede Tanzfläche zum Kochen. Aber auch in den ruhigen Liedern ist der Bass im Hintergrund immer präsent und treibt die Songs voran.
Was sich hingegen zu den letzten Alben nicht verändert hat, ist dass Noel Gallagher seine Position als alleiniger Songwriter aufgegeben hat. Sechs der elf Lieder auf "Dig Out Your Soul" stammen aus der Feder des Bandleaders, und wie auf dem Vorgänger Don't Believe the Truth durfte Liam Gallagher drei und die mittlerweile fest etablierten Andy Bell und Gem Archer je ein Lied beisteuern.

Noels Lieder sind durchgehend absolute Spitzenklasse. Eindrucksvoll unterstreicht der 41-Jährige seinen Ruf als einer der besten Songwriter seiner Generation. Bereits der stampfende Opener "Bag It Up" wartet mit einer Ohrwurmmelodie ersten Ranges auf. "Someone tell me I'm dreamin' / The freaks are risin' up through the floor" singt Bruder Liam, während sich das Schlagzeug (übrigens bei diesem Song auch gespielt von Noel) über vier Minuten langsam steigert. Aber das vorhin erwähnte Dancefloor-Monster "The Turning" schafft es, diesen Knaller noch zu toppen. "So come on, shake your rag doll, baby / before you change your mind", fordert uns ein Liam auf, der so inspiriert und bissig klingt, wie seit anno 1995 nicht mehr. "The Turning" ist garantiert einer der Top Ten-Oasis-Songs aller Zeiten, und das will bei so einer Band etwas heißen. Die Single "The Shock of the Lightning" steht diesen Knüllern aber in nichts nach, und walzt in knapp fünf Minuten alle Kritiker über den Haufen, die der Band vorgeworfen hatten, nach Be Here Now das rocken verlernt zu haben.

Mit dem psychedelischen "(Get Off Your) High Horse Lady" und der ruhigen Download-Single "Falling Down", beide von ihm gesungen, beschließt Noel dann die erste Album-Hälfte. Sechs der sieben ersten Songs stammen aus seiner Feder - die einzige Ausnahme heißt "I'm Outta Time". Die wunderschöne Ballade zeigt, dass Liam dem großen Bruder in seinen besten Momenten ebenbürtig sein kann. In seiner Emotionalität steht das Lied Klassikern wie "Slide Away" oder "Wonderwall" in nichts nach. Am Ende wird ein ganz besonderes Sample eingespielt: Ein Fetzen aus einem Interview mit John Lennon, das zwei Tage vor seinem Tod im Jahre 1980 aufgenommen wurde. Die beiden anderen Kompositionen, die der jüngere der beiden Raufbrüder beisteuern kann, sind dann nicht mehr ganz so grandios, aber beileibe nicht schlecht. Das nur knapp zweiminütige "Ain't Got Nothing", das ja vorab in Fankreisen als minderwertig beschimpft wurde, ist ein zwar simpel gestrickter, aber dafür umso energetischer Rocker. Und eine Aussage hat das Lied ja allemal: Ihr könnt mich alle mal, ich muss euch nichts beweisen. Tja, Liams andere Seite eben.

"Soldier On", das elfte und letzte Lied des Albums, ist dann wieder eine nachdenklichere Komposition des jüngeren Gallagher, und wartet mit geradezu philosophischen Textzeilen auf. Der Hall auf dem Gesang verleiht dem Lied eine majestätische Note, und macht es zum perfekten Abschluss von "Dig Out Your Soul". Davor kommen allerdings noch "To Be Where There's Life" von Gem Archer und "The Nature of Reality" von Andy Bell. Die beiden haben ihren Platz im Songwriter-Quartett durchaus zu recht. Das rockige "Life" beginnt mit indischen Sitar-Klängen, die wohl nicht zufällig an die psychedelische Beatles-Phase erinnern sollen. Danach zieht einen das Lied mit einer schleppenden Gesangslinie, aber präzise scheppernden Drums in den Bann. Eine gelungene Essenz aus der Spätphase der "Fab Four". Bells Komposition "The Nature of Reality" stellt dann wieder den Groove in den Vordergrund. Tatsächlich hat Song aber einen etwas düsteren Unterton, der ihm äußert gut zu Gesicht steht.

Insgesamt bleibt festzuhalten: "Dig Out Your Soul" ist ein Kracher. Was sich auf den letzten Alben schon angedeutet hatte, ist Gewissheit geworden. Das neue Oasis-Line-Up kann die Brillianz des alten erreichen - wenn auch auf andere Weise. Noel Gallagher hat seinen Ruf als Songwriter-Genie bestätigt, Liam seinen als einer der besten Rock-Sänger. Außerdem scheint die Band eine homegene Einheit zu bilden, was hoffen lässt, dass noch viele weitere Alben der Marke "Dig Out Your Soul" auf uns zukommen werden.

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