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(Metallica - Death Magnetic)
Blechbüchsen-Armee rolle und schepper. Diese Aussage kennen viele Ältere Metallica- Höhrer aber auch Junge neu dazu gekommenen Höhrer haben mit dem Album St.Anger diese Geräusch... mehr
Aus Dreck Pop machen

geschrieben am 26.08.2009 von Obladi, Oblada (Bewertung: 10/10)
zur Veröffentlichung Dirty von Sonic Youth
bisher 1879 Mal angesehen


Ein kaum einem Album der New Yorker Kunst-Pop-Institution scheiden sich die Geister so sehr wie an "Dirty". Über die Genialität von "Daydream Nation" waren sich ja alle so schön einig, da kam "Goo" daher und war so ein dreister Flirt mit dem Mainstream, nach all den Jahren ohne Majorlabel, im staubigen Underground des Indierock... Irgendwie suspekt, aber ein Album, das man der Generation X noch guten Gewissens verkaufen konnte. Dann kamen Nirvana und bedankten sich für die hervorragende Vorarbeit: Dreck und Pop, das nannte man jetzt Grunge, und viele Leute wollten es haben, wollten es fühlen, wollten es erleben. Sonic Youth machten also noch ein Popalbum für Geffen (bevor sie sich mit "Experimental Jet Set..." wieder in Richtung Anti-Schiene verabschiedeten) und vergraulten ihre altgestandenen Fans mit Videos, in denen Models herumspazierten und coole Slacker-Typen mit ihren Skateboards herumsprangen. Wo war die Kunst, wie weit weg war das denn auf einmal von den Ursprüngen, von No Wave und all dem Underground-Spirit?
Für den jungfräulichen Sonic-Youth-Hörer war "Dirty" aber sicherlich eine Sensation. Der Lärm war ja noch da, in den sich die Band immer wieder hineinstürzte (vgl. "On the Strip"), wo man gerade noch so harmonisch vor sich hin gedudelt hatte. Kaum eine Band vermochte es, so schön die eigenen Popsongs kaputtzumachen, um sie dann sorgfältig wieder zusammenzubauen. Dann noch der laszive Stöhn-Gesang von Kim Gordon, ein heimliches Sexsymbol der Grunge-Generation.
Posthum kann man an dem Album hin- und herdiskutieren, ob das nun purer Ausverkauf war, oder ein Manifest der Underground-Kultur, eine Referenz oder eine Antwort auf "Nevermind" oder was auch immer.
Warum Thurston auf einmal so direkt politisch werden musste in seinen Texten, warum Lee Ranaldo so in den Hintergrund gedrängt wurde, und überhaupt: Warum ausgerechnet dieser Titel, was war denn an "Dirty" noch dreckig?
Die Antwort auf keine dieser Fragen: Manchmal müssen Alben eben spalten, um zu Klassikern zu werden. Auch wenn ich jetzt für "Daydream Nation" (und auch für die ´95er "Washing Machine"!) eine 11 als Höchstwertung beantragen müsste, hat "Dirty" nach langem, langem Nachdenken in meiner persönlichen Weltanschauung eine 10 verdient. Davon mindestens ein Punkt Nostalgiewert.

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