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Inselaffen irren durch die Wüste

geschrieben am 04.09.2009 von shark (Bewertung: 6/10)
zur Veröffentlichung Humbug von Arctic Monkeys
bisher 1762 Mal angesehen


Sie waren die Posterboys der englischen Indie-Szene. Als ihr ungestümes Debütalbum Whatever People Say I Am, That's What I'm Not Anfang 2006 das erfolgreichste Debütalbum einer englischen Band überhaupt wurde, hatten die Arctic Monkeys auf einmal ebenso viele Fans wie Feinde. So oder so waren die Milchgesichter aus Sheffield über Nacht bekannter als der vielzitierte bunte Hund. Dass das Debütalbum eine zündende Ladung rotziger Garagenrock und qualitativ hochwertig war, war dabei sicher nicht von Nachteil. Das schon Mitte 2007 nachgeschobene zweite Album Favourite Worst Nightmare überzeugte dann auch die meisten der zuvor skeptischen Kritiker und war sogar in den für gute Musik oftmals wenig empfänglichen USA sehr erfolgreich. Alles in Butter also bei den arktischen Inselaffen?

Wenn man sich das dritte Album "Humbug" durchhört, muss man diese Aussage klar verneinen. Weitaus düsterer und träger kommt der Sound nun daher, fast schon apokalyptisch. Keine leichte Kost. Dass das Ganze ein wenig wie der Soundtrack zu einem Western in der texanischen Wüste klingt, hat einen relativ offensichtlichen Grund. Und der heißt Josh Homme. Der Frontmann der Queens of the Stone Age, seines Zeichens Mitbegründer des Wüsten-Rocks, hat Gefallen an den Bengeln aus England gefunden, und die Hälfte des neuen Albums produziert. Das schlägt sich deutlich im Sound nieder. Aber auch Stammproduzent James Ford, der die andere Hälfte produzierte, scheint plötzlich seine Vorliebe für schleppenden, scheppernden Rock entdeckt zu haben, bei dem vor allem der wummernde Bass im Mittelpunkt steht. Und so klingt "Humbug" zwar düsterer, aber weitaus weniger gefährlich und rotzig als seine beiden Vorgänger. Aber nach ein paar Hördurchläufen entfaltet auch das neue Soundgewand durchaus seinen Reiz.

Die Single "Crying Lighting" sticht dabei auf Anhieb hervor. Ein melancholisch schunkelndes, aber auch einschmeichelndes Rockstück, dem bedenkenlos das Gütesiegel verliehen werden kann. Generell scheint Frontmann und Sänger Alex Turner diesmal mehr wert auf vielseitigen Gesang gelegt zu haben, wie sich auch im Refrain des romantischen "Secret Door" zeigt, oder beim ebenso düster-verträumten "Cornerstone". Auch Schlagzeuger Matt Helders tut sich positiv hervor, darf er doch auch mal vertracktere, schiefere Rhythmen klopfen als beim straighten Garagenrock der ersten beiden Alben. Generell muss aber auch festgehalten werden, dass die Ohrwürmer nicht mehr so penetrant sind, dass die Hits weniger offensichtlich sind, und dass manche Lieder Gefahr laufen, dem Gehör nach wenigen Augenblicken wieder zu entgleiten. Das ist mit Sicherheit auch dem fast durchgehend gleichen Sumpftempo des Stoner-Rock geschuldet, in das die Monkeys geraten sind. "Humbug" ist sicher kein Reinfall, den man sich mit Wüstentequila schönsaufen muss. Es ist aber auch ein Album mit Schwächen - und die hatten die ersten beiden Alben eigentlich nicht. Die Arctic Monkeys sind mit ihrer soundtechnischen Neuerfindung ein Risiko gegangen, und dafür teilweise bestraft worden.

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