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Perlen des Punkrock
Taube Ohren, entsetzte Eltern, leidende Herzen

geschrieben am 10.09.2009 von Zodiarche (Bewertung: 9/10)
zur Veröffentlichung Herzeleid von Rammstein
bisher 3244 Mal angesehen


Was war 1995 für ein Jahr: Österreich, Schweden und Finnland treten der EU bei, Borussia Mönchengladbach gewinnt den DFB-Pokal und der Rezensent feiert seinen siebten Geburtstag. Ach ja - Rammstein treten auf den Plan und was die Truppe um Till Lindemann auf ihrem Erstling "Herzeleid" auffährt gilt noch heute als wegweisendes Werk des deutschen Industrial-Metals oder auch "Neue Deutsche Härte" (NDH) genannt.
Mit einem spartanischen, in hellen Farben gehaltenem Cover versehenwussten die meisten Käufer dieser CD wohl kaum was sie sich da ins Haus holten. So auch meine Mutter nicht, welche nur wusste das Rammstein eine "aufstrebende deutsche Band ist".
Schon der Opener "Wollt ihr das Bett in Flammen sehen" bewies das die musik nicht auf Charterfolge abgezielt war. Ein bedrohliches Intro aus Synthesizern und einer Bassdrum machten unvermeintlich klar das hier etwas dunkles hereinbrechen wird. Keine 20 Sekunden später brach dann die musikalische Stahlschmelze durch die Trommelfelle meiner Mutter und mir. Inmitten des hinterfragenden Textes über Mord und Krieg bleibt vor allem der öfter wiederholte Bandname sowie der Satz "Sex ist eine Schlacht/Liebe ist Krieg" im Kopf.
Der zweite Song des Albums "Der Meister" fängt etwas schneller an. Sägende Gitarren treiben einen ziemlich einfach gestrickten Beat voran. Till Lindemann singt (?) von einer schwarzen Macht welche den Untergang herbeiführt und alles zerstört was nicht schnell genug davonläuft. Ein sehr düsterer Song in dessen Refrain Lindemann auch zeigen darf das er vereinzelt Töne treffen kann.
Weiter geht es mit "Weißes Fleisch", meinem persönlichen Liebling auf der CD. Wieder führt ein elektronischer Anfang an das Lied heran bevor von einem Einsamen Menschen berichtet welcher davon träumt sein Gegenüber zu erniedrigen und zu verletzen um sich davon immer stärker in Rage zu versetzen. Ein krasser Song welcher anno 1995 auch eine menge Kritik einstecken musste (wie die gesamte CD eigentlich) betreffend Jugendschutz und Gewaltverherrlichung. Punkte die zum Glück nur an- aber nicht abgemahnt wurden.
Es folgt der wohl bekannteste Song des Debuts: "Asche zu Asche". Die gitarren ballern eine simple aber eingängige Melodie in die Ohren, der Rhythmus ist einfach aber präzise und Lindemann übernimmt einen Doppelgesang, mal tief gestimmt, mal flüsternd. Ein Klasse Stück Musik welches auch heute auf keinem Rammstein-Konzert fehlen darf.
Ein Verschnaufpause folgt mit dem Lied "Seemann", welches vor ein paar Jahren zweifelhafte Aufmerksamkeit durch eine Version von Apocalyptica und Nina Hagen bekam. Eine Akustikgitarre leitet das Lied ein, ein toller Bass-Rhythmus führt dieses Lied an der Hand bis es vereinzelt zu Gitarren-Ausbrüchen führt. Von vielen Fans wird dieses Lied als einer der Höhepunkte der Band gesehen, mir persönlich gibt es nicht besonders viel.
Folgend Rammstein´s "Doppel"-Single "Du riechst so gut" (1995 sowie 1998 mit neuem Video als Single erschienen). Das wohl elektronischte Lied des Album da ein künstlicher Beat permanent das Lied vorantribt. Der Sänger erzählt von einer Treibjagd im Dunkel bei welcher sich der Jäger nur anhand des Geruchs seines Opfers zurechtfindet bis er es endlich zu schnappen bekommt. Ganz großes Lyrik-Tennis und auch sonst fester Bestandteil eines jeden Konzerts.
"Das alte Leid" ist ein Lied mit welchem ich bis heute nicht wirklich etwas anfangen kann. Musikalisch sicherlich gut gemacht, allerdings stört mich der etwas undurchsichtige Text welcher in einem "Ich will ficken"-Chorus endet - also ich weiß nicht ob das nicht vielleicht eine nachpubärtierende Geburt war.
Das nächste Lied, "Heirate mich", wurde von David Lynch auf dem Soundtrack seines Filmes "Lost Highway" gehieft. Mit Sicherheit zurecht: Die Gitarren sind fett, der Groove killt die Nackenmuskulatur und die Atmosphäre ist die wohl dichteste dieser CD. Der Text handelt von einem Witwer welcher seine verstorbene Frau sucht und dadurch zu einem Necrophilen wird. Krasser Song, krasser Text.
Das Titelstück "Herzeleid" ist ein schwerer Brocken. Till Lindemann singt abgehackt einzelne Silben, dazwischen prügelt die Instrumental-Fraktion immer und immer wieder den selben stumpfen Beat runter. Kann man mögen muss man aber nicht. Ich empfehlen den Text ohne die Musik zu lesen, da wirkt er besser.
"laichzeit" beginnt wieder mit einem Synthi/Bass/Drum-Start welcher sich zu einem fetten Groove-Monster aufstachelt. Zu dem Text kann ich nciht viel sagen weil ich, zugegebenermaßen, nie wirklich verstanden habe. Trotzdem, nach "Weißes Fleisch" der zweibeste Song.
Die CD endet mit dem Lied "Rammstein" welches ebenfalls den Weg auf den "Lost Highway"-OST. Das Lied beginnt ruhig als wenn etwas auf der Lauer läge und darauf wartet anzugreifen. Und das tut es nach ca. 35 Sekunden. Der Text handelt von verschiedenen Toden und seine Auswirkungen auf seine Umwelt (oder eben nicht). Der Song ist der langsamste auf dem Album und deshalb besonders heavy. Geniales Ende für ein fast komplett genials Album.
9 von 10 Punkten weil Rammstein zwei Alben später alles in den Schatten stellten was es aus dieser Richtung gab und die Höchstpunktzahl hier deshalb nicht ganz angebracht wäre.
Anspieltipps: Weißes Fleisch, Asche zu Asche, Laichzeit

P.S.: Die CD habe ich erst wieder mit 13 zu hören bekommen. Dann ahbe ich sie allerdings behalten dürfen. Ja ja - Eltern.

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