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Perlen des Punkrock
Sehnsucht nach alten Zeiten oder neuen Wegen?

geschrieben am 10.09.2009 von Zodiarche (Bewertung: 7/10)
zur Veröffentlichung Sehnsucht von Rammstein
bisher 2144 Mal angesehen


Kennt ihr dieses nervige Piepen in Fahrstühlen, Kaufhäusern, Fernsehern, Radios, Internetstationen, Mp3-Spielern, Talkshows, Kochsendungen und Zeichentrickserien? Das, meine Freunde, ist das Lied "Engel" von Rammstein welches die sechs NDH-Jungs von Null auf Hundert durch die Decke schoss. Damals (aufgrund des Videos) aufregend, heute nur noch als Begleitmucke beim Häkeln benutzt. Doch der Reihe nach...

1997 erschien der zweite Longplayer der Rammsteinler, schlicht "Sehnsucht" betitelt. Nach ausschweifenden Welttouren welche die Band auch nach Russland, Australien, in die USA und Japan brachte, musste neues Material her. Aber Moment - "Neu" ist nicht gleich neu.
"Sehnsucht" beginnt damit womit "Herzeleid" aufgehört hat - mit einem Knall! Und schon sitzt man inmitten der NDH-Geisterbahn. Till Lindemann singt von einer exessiven Sehnsucht welche süchtig machen kann so dass man ohne den Auslöser nicht mehr leben kann. Die Band prügelt einen monotonen Elektrobeat herunter. Soweit Business as usual. Aber, moment... singt Till Lindemann im Refrain? Ja, und das sogar sehr gut. Der Song geht als gut durch.
Es folgt der musikalische Beinkrampf - "Engel". Versteht mich nicht falsch, das Lied ist geil, aber die mediale Überpräsenz zwingt mich mittlerweile nur noch zum erbrechen. Sorry, Jungs - Hit ja, aber MTVIVA haben ihn kaputt gemacht. Deswegen keine weiteren Worte mehr.
Track 3 ist ein "Tier". Und das meine ich wie es hier steht. Die Gitarren knallen, der Groove sitzt (monoton wie immer, aber egal), der Synthesizer summt und Till singt gewohnt düster. Textlich ein Statement zu geistiger Verwirrtheit wenn man nicht mehr zwischen Liebe und Hass unterscheiden kann. Auf jeden Fall eines der besseren Lieder auf dem Longplayer.
Nummer 4 trägt den Titel "Bestrafe mich" und genauso fühlt man sich auch. Bitte, bitte, bestrafe mich das ich mir diesen Müll antue. Musikalisch eintönig, langweilig, textlich nichtssagend. Es geht zwar um Gott, aber von diesen Plattitüden gibt es genug, auch im deutschen Musiksektor.
Nach dieser Talfahrt geht es sofort wieder auf die Spitze - "Du hast" meldet sich zum Krach. Und ja, das und nur DAS, ist der beste Song auf dieser CD. Schon 1997 brachte das Lied die Gothic-Tanztempel zu kochen und auch heute ist es nicht anders. Gründe? Einprägsame Melodie, tanzbarer Rhythmus, leichter aber genialer Text zum Mitsingen und sowieso alles was Rammstein ausmacht. Top!
Und als ob Rammstein es geplant hätten trifft ein Hit auf den nächsten: "Bück dich" heißt das Streit-Lied dieses Albums. Darf man über Dominanz schreiben? Ja, darf man. Darf man über Sex schreiben? Ja, darf man. Aber darf man über dominanten, auf Körperregionen fixierten Sex schreiben? Keine Ahnung. Sicherlich ist das künstlerische Freiheit, aber mit diesem Lied hatten Rammstein die selbsternannten Jugendschützer wieder auf dem Buckel. Sowieso als Nazionalsozialistisch und Frauenfeindlich verschrien schüttet diese Band noch Öl ins Feuer. Und nicht nur ein Tropfen sondern literweise. Die Gitarren sägen, das Schlagzeug prügelt sich durch die Felle und Lindemann klingt streckenweise wirklich gequält. Das ist pure Provokation und manchen Eltern noch heute ein schmerzender Dorn im Fleisch. Ach ja - mir gefällts sehr gut.
Doch wo Berge sind ist auch ein Tal. Ein nichts Gutes verheißender Beginn leitet das nächste Lied ein. "Spiel mit mir" heißt es und wer eins und eins zusammen zählen kann weiß worum es geht: Kindesmissbrauch. Doch auch wenn es weder handwerklich noch textlich etwas auszusetzen gibt leidet Rammstein am selben Problem wie damals Die Toten Hosen mit "Böser Wolf": Zu unsensibel wird mit dem Thema umgegangen welches heute leider immer noch aktuell ist. Mit dem Holzhammer zu predigen ist leider nicht alles.
"Klavier" beginnt ruhig, Lindemann singt unsicher und wirkt etwas verstört. Passend zu der sich aufheizenden Atmosphäre. Wo anfangs nur Synthi-Effekte vorherrschen brechen immer wieder Gitarren und Drums ein um kurz darauf wieder zu verstummen. Ein Wechselbad der Stimmungen und das atmosphärischte Lied der CD. Textlich ein Lied über einen Jungen welcher zusehen musste wie sein Vater seine Mutter umbringt. Starkes Stück.
"Alter Mann" schafft es nicht ganz das Niveau zu halten. Sicherlich, die Musik hackt sich in die Gehörgänge und Lindemann singt wieder düster, aber was soll dieser Text? Zwischen Lyrik und Blödsinn liegt ein schmaler Steg und Rammstein gehen ihn hier mit Bleistiefeln. Von Blödsinn sind sie zwar noch entfernt, aber tiefsinnig muss auch nicht immer unverständlich sein.
Viele Köche verderben den Brei, doch Rammstein kochen in "Eifersucht" - und das Rezept schmeckt sehr gut. Ein flottes Lied welches durch seine Eingängigkeit besticht. Es behandelt die Rachefantasien erzeugt aus Neid auf einen Anderen. Textlich gibt es besseres, aber das geht als Sparmenü durch.
Das letzte Lied heißt "Küss mich (Fellfrosch)". Worum es genau in dem Text geht möchte ich nicht verraten aber jeder der sich länger als einmal mit dem Lied beschäftigt wird es rasch herausfinden. Lyrisch einer von Till´s besten Ergüssen und musikalisch ist auch alles im grünen Bereich. Im Ganzen also ein gelungenes Ende.
Was gibt es also als Fazit? Wir haben sechs geniale Songs, zwei die ganz gut sind, zwei die Schrott sind und einen der sich totgedüdelt hat...

... macht summa summarum - schwache 7 Punkte.

P.S.: Sammler können sich sechs verschiedene Cover der CD besorgen. Jedes mit einem anderen Bandmitglied in Sadomaso Maske...

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