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(Sparta - Threes)
Wer 2006 immer noch von einem Comeback von At the Drive-In in Originalbesetzung träumte, wurde knallhart auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn die Alben,... mehr
Eine Familiengeschichte

geschrieben am 10.09.2009 von Zodiarche (Bewertung: 10/10)
zur Veröffentlichung Mutter von Rammstein
bisher 2164 Mal angesehen


Stellt euch folgende Situation vor: Ein ruhiger Abend in der Familie... wie nennen wir sie? Nennen wir sie Rammstein. Drei Jahre schon ist alles ruhig im elterlichen Wohnzimmer, die etwas ältere Tochter hat ihr „Herzeleid“ überwunden und der jüngere Sohn hat seine „Sehnsucht“ vergessen. Papa Rammstein ruht sich darauf aus das er zwei anständige Kinder Kinder in die Welt gesetzt hat, wobei auch er weiß das der Sohn doch schwieriger war als die Tochter. Doch, das ist ja noch die „Mutter“ das Oberhaupt der Familie...

Und „Mutter“ muss nach dreijähriger Abstinenz erst einmal lautstark klar machen: „Mein Herz brennt“ und das ziemlich stark. Die Flamme knisterte erst etwas, doch schon nach kurzer Zeit setzt ein massiver Flammenstoß ein und das brennende Herz wird zu einem Flächenbrand welcher zuerst den Nacken angreift und sich mit seiner Aussage in die Ohren frisst. Nebenbei werden die Kinder schon mal ins Bett geschickt, denn „Mutter“ muss noch ein ernstes Thema ansprechen.
Immer wieder bezeichnete man Familie Rammstein als Nationalsozialistisch. Doch lautstark und sich durch nichts aus dem Rhythmus bringend beteuert sie erstmal das sie „Links 234“ ist und nichts mit dem Nazi-Pack zu tun hat. Eingängig wird diese Feststellung immer wieder ins Gesicht gekloppt bis es hoffentlich auch der Letzte verstanden hat. Denn auch wenn das Herz am rechten Fleck schlägt ist nicht jeder ein Nazi!
Eine durchdiskutierte Nacht liegt hinter der Familie R. Und jetzt geht schon bald die „Sonne“ auf. Vater zählt noch mal rückwärts von Zehn nach Null und schon erscheint sie hell. Einfach etwas was man nicht mehr missen möchte, weil man sich eine Zeit ohne „Sonne“ nicht mehr vorstellen kann, dafür leuchtet sie zu hell und brennt zu heiß.
Doch bevor die Eltern sich noch für ein paar Stunden ausruhen können macht Vater nochmal eines klar: „Ich will!“ Hier und jetzt und sofort! Keine Widerrede! Mit eindringlichen Sätzen spricht er auf die Mutter ein, bis diese nur noch auf die Knie fallen kann, da es wohl das genialste ist was Papa Rammstein ihr jemals in die Ohren geredet hat. Einprägsam, wahr und unausweichlich was passieren wird!
„Feuer Frei!“ Papa hat seinen Spaß und auch Mutter geht ab wie noch nie. Härter ging es in der Familie R. nie zu! Bang, bang! Und nochmal: Bang, bang! Und überhaupt: BANG, BANG! Papi knallt so hart wie ein junger Gott und kein Muskel bleibt unbewegt! Das ist Können welches wirklich befriedigt! Und das nicht nur dank einem Funkenstoß in ihren Schoß...
Nach diesem Körper-Inferno braucht es natürlich eine Ruhepause. Doch sie währt nicht lange bevor die Kinder ihre „Mutter“ wecken und belobsingen. Die Kinder R. sind sanft zu ihrem Familienoberhaupt und nur gelegentlich driftet der Gesang in stärkere Gefilde, welche jedoch nicht stören sondern als ergänzend sehr gut durch gehen!
Die letzte Nacht zeigt jedoch nun seinen negativen Aspekt: Die „Spieluhr“ ist abgelaufen. Mutter hat ein neues Kind geboren, nur leider ist es eine Totgeburt. Hoppe, hoppe, Reiter, sein Herz schlug nicht mehr weiter. Der Geist des Kindes versucht sich in die Trauergesänge der Familie einzubringen was sich als genial erweist und, trotz des traurigen Hintergrundes, als wahrer Ohrwurm erweist welcher einfach nicht mehr gehen möchte.
Nebeneffekt der Sache: Wer möchte denn auch schon gerne mit einem „Zwitter“ wissentlich unter einem Dach leben? Vielen wäre das peinlich – aber Familie Rammstein würde diese Hürde ebenfalls locker nehmen. Zu perfekt erweist sich die Vorstellung zweier Seelen in einer Brust, auch wenn die geschlechtliche Liebe zu sich selbst etwas verwirrend wirken sollte.
Doch das Kind ist tot und Mutter ist dieses ewige „Rein Raus“ sowie schon lange zuviel. Sicherlich macht es Spaß, weil der Rhythmus immer wieder geil ist, aber es erinnert sie immer wieder mehr an Pubertät als an wahre Männer. Schade...
Und weil es halt nicht mehr klappt verabschiedet sich die Mutter mit einem „Adios“ und einer knallenden Türe. Die Schuhe, welche sie langsam auf das Ende zu tragen, schlagen rhythmisch auf den Boden und ihre Stimme ist erzürnt. Zwischendurch bricht immer mal ein kleiner Moment von Trauer durch, aber die Familie merkt – es herrscht Wut und Aggression in ihr.
Und während der Rest der Familie traurig, von einer leisen Melodie und Abschiedsgesängen begleitet in den „Nebel“ hinaus blickt müssen wir feststellen dass das nicht nur die beste Geschichte der Familie Rammstein ist, sondern auch die intensivste, die abwechslungsreichste und die härteste.

Und vielleicht macht sich der Vater irgendwann mal auf eine „Reise, Reise“ um die „Mutter“ zurückzuholen – ob ihm das gelingt ist eine andere Geschichte...

Anspieltipps: ALLES!

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