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Wenn einer eine Reise macht... oder Sechs Psychos auf dem Meer

geschrieben am 16.09.2009 von Zodiarche (Bewertung: 8/10)
zur Veröffentlichung Reise, Reise von Rammstein
bisher 1872 Mal angesehen


2001 war wohl DAS Rammstein-Jahr: Von Null auf Eins in den Deutschen Charts mit dem Album „ Mutter“, dazu ausschweifende Welttourneen und Top-Platzierungen unter anderem in Russland, Amerika und Japan, fünf (!) Single-Auskopplungen des Albums, welche sich alle wie geschnitten Brot verkauften und Rammstein des öfteren in den Charts platzierte – Rammstein wurden zum Millionenseller... und zum Bandwrack. Die Chemie zwischen den Musikern war zerrüttet, von Trennung war die Rede. Doch nach dreijähriger Pause bewiesen die sechs Jungs das sie des Reisens noch lange nicht müde sind...

Das 2004er Album „Reise, Reise“ beginnt mit einem sphärischen Intro, man glaubt das Meer in seinem Radio zu haben. Was zuerst auffällt ist das das Drumming weitaus variabler ist als noch beim Voralbum. Das heißt zwar nicht das da ein neuer Mike Portnoy (Dream Theater) an den Kesseln sitzt und rührt, aber das Monotone wird damit endgültig aus dem Ramm-Sound verabschiedet. Dazu schmiedet das Keyboard wunderbare Melodien welche einen wirklich an eine Schiffsfahrt und See erinnern. Lindemann singt von der Kunst zu reisen, und das es jeder anders macht. Schöner Text. Einzig die Gitarren klingen etwas schwach...
Was sich beim nächsten Song direkt revidiert: „Mein Teil“ heißt der Gitarren-Smasher welcher inspiriert wurde durch den Fall des „Kannibalen von Rothenburg“ Armin Meiwes. Das Keyboard und Bass bauen ein unheimliche Atmosphäre auf welche immer wieder durch stark bretternde Gitarren zerrissen wird. Lindemann spricht in verzerrter Stimme davon jemanden zu verspeisen (im metaphorischen Sinne), das es selbst mir beim ersten Hören gruselte. Das dazu gedreht Musik-Video wurde nach zwei Wochen auf Sendung übrigens wegen „besonderer Härte“ von MTVIVA aus dem Programm genommen. Geiler Track!
Weiter geht es mit „Dalai Lama“, Rammsteins Tribut an „Der Erlkönig“ von Johann Wolfgang von Goethe. Wer diese Ballade des Dichters kennt, dem fallen mit Sicherheit parallelen im Text von Rammstein auf. Das Lied handelt von unserem unaufhaltsamen Weg ins Ende, dargestellt an einem Linienflug. Das Schlagzeug gibt abermals einen klasse Rhythmus vor, das Keybord liegt etwas mehr im Hintergrund als in den vorigen Liedern. Die Gitarren riffen etwas Stakkato-mäßiger bis ein klar gesungener Refrain unterbricht. Zum Ende baut die Atmosphäre noch mal auf Bedrückung auf. Kein Lied für Klaustrophobiker.
Nachfolgend wird zum wohl bekanntesten Song des Albums gebeten - „Keine Lust“. Was immer einem der Text vermitteln will außer das man keine Lust auf alles hat so ist doch anzumerken das das zweite Gitarren-Stück schön hart rüberkommt. Und siehe da: Eine Double-Bass beim Drumming. Jeder Grobschlächter hat seine helle Freude an den kurzen Momenten der Raserei. Die elektronischen Spielereien halten sich hier für den Refrain zurück und für einen episch-klingenden Moment am Anfang des letzten Drittels. Das Musik-Video welches für das Lied gedreht wurde ist übrigens überaus witzig, also dringend mal anschauen sollte es jemand noch nicht kennen.
„Los“ ist die größte Überraschung der CD. Ein ausschließlich mit der Akustikgitarre und etwas Bass/Drums ausgestattes Lied welches den Werdegang von Rammstein musikalisch zusammenfasst. Lindemann singt viel ruhiger als in anderen Lieder und bringt eine klasse Stimmung rüber. Zu diesem Lied hätte ich mir persönlich ein Video gewünscht. Klasse Song und der Beweis: „Ihr werdet lautlos/uns nie los!“ (Textauszug „Los“)
Pop-Musik, ick hör dir trappsen! „Amerika“, der Ohrwurm des Albums, zieht los... und verliert. Der Refrain geht gut ins Ohr, die musikalische Untermalung ist allerdings zu unauffällig um wirklich gutgeheißen zu werden. Wirklich genial ist aber der Text: Das Rammstein provozieren können ist ja bereits bekannt, aber Satire ist ein neuer Zweig in ihrem kleinen Kosmos geworden. Übrigens gibt es auf der Single (das Video ist so schlecht...) einen interessanten Remix von Bushido. Auch wenn der Skandal-Rapper sicherlich vielen Leuten Sodbrennen verursacht würde ich das Lied empfehlen da es mit einem (super) Mini-Rap irgendwie besser klingt.
Und vom Westen geht es in den Osten: „Moskau“, welches mit den Pseudo-Lesben TATU aufgenommen wurde, geht gleich mal flotter in den Ring. Lindemann wendet eine Prostituirten-Metapher auf die Hauptstadt Russlands, welche gut aufgeht. Der Text ist interessant. Musikalisch ist der Boden wieder ein Bass/Drums-Rhythmus, die Gitarren kommen nur zum Refrain vor. Das Keyboard pendelt allerdings zwischen „ergänzend“ und „Durchfall“. Doch im dritten Weltkrieg „Moskau vs. Amerika“ schneidet die Ostfront in der Länderbeweihräucherung besser ab.
Das Rammstein nicht nur böse und gemein sein können beweist der Track „Morgenstern“ welcher von einem Paar handelt welches auf äußerlichen Dingen fixiert ist. Zumindest muss die Frau des Paares unheimlich hässlich sein. Doch „der Mensch ist halt ein Augentier/schöne Dinge wünsch ich mir“ (Textauszug „Morgenstern“) muss eine Lösung her. Da allerdings der Wunsch nach Schönheit nicht erfüllt wird stellt der Mann fest das die inneren Werte seines Gegenübers doch schöner sind als die äußeren. Die Gitarren zocken dazu schön abgehackt und der Groove passt mal wieder wie Faust zu Auge.
Eine Ballade. Ja, es ist eine Ballade – oder? „Stein um Stein“, ein architektonischer Albtraum, vom Texte aus zumindest gesehen. Das Liebe blöd macht ist nichts unbekanntes aber seine bessere Hälfte einmauern? Ein Ehe reicht doch um jemanden das Leben zu versauen *hust*. Zurück zum Lied: Die Grundstimmung ist ruhig, Lindemann singt von seinem Bau des Hauses und der großen Liebe. Im „Refrain“ (und das ist nett ausgedrückt) braten dann die Gitarren dem Hörer einen über. Überhaupt überwiegt hier wieder das Keyboard, aber positiv. Zum Ende hin gibt es dann nochmal einen etwas stärkeren Moment und ein quietschendes Gitarrensolo bevor das Lied in einem Schrei untergeht. Genial.
Wäre die CD hier zu Ende würde ich sagen das es Rammsteins bestes Album wäre. Wenn, wohlgemerkt, denn jetzt folgen noch „Ohne dich“ und „Amour“, zwei Balladen. Das erstere ist so dezent langweilig das ich gar nicht wüsste was ich darüber schreiben soll außer das es ein scheiß Video bekommen hat, welches allerdings so kitschig ist das ich selbst kleine Jungen und Mädchen gesehen die in einem Aggro Berlin-Shirt und diesem Lied auf dem Handy herumgelaufen sind. Geldmacherei für Rammstein, Nervensprengung für mich.
Und „Amour“? Genauso langweili. Nur der Text lässt aufhorchen in dem die Liebe mit einem wilden, gefräßigen Tier verglichen wird. Textlich ok, musikalisch nichtssagend. Schade um den Abschluss dieser fast absolut genialen CD.

8 Klasse Songs, 3 mal Dreck... und es sollte noch trauriger werden...

8 Punkte.

Anspieltipps: Moskau, Stein um Stein, Los, Mein Teil

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