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Giftpflanze oder Biomüll?

geschrieben am 16.09.2009 von Zodiarche (Bewertung: 6/10)
zur Veröffentlichung Rosenrot von Rammstein
bisher 1925 Mal angesehen


Die letzten Reste der Single-Flut 2004 sind gerade verklungen da ereilt uns ohne Pause schon das nächste Werk von Rammstein. „Rosenrot“ heißt das neue Werk und liegt knapp ein Jahr nach „Reise, Reise“ beim Händler. Zwei Tage später entert es die Pole Position der Deutschen Charts. Doch ist „Rosenrot“ eine schöne Pflanze oder sind die Stacheln gar aus Watte? Bewaffnet mit Heckenschere, Handschuhe und Kopfhörern schmeiße ich mich in den Garten des Wahnsinns...

Und es knallt! Und wie es knallt! „Benzin“ rattert direkt los und von Anfang an gibt es einen Flächenbrand – welcher leider zu schnell zum Lagerfeuer wird. Musikalisch klingt das Lied unausgegoren und wie schon mal woanders gehört und textlich ist man nur eine Zwangsjacke von Schwachsinn entfernt. Jeder Reim endet auf „-in“ und nur das Refrain-Wort „Benzin“ hält das Lied zusammen, sowie ein kurzer melodischer Gesang kurz vor dem Ende. Schwacher Einstieg.
Doch auf zum zweiten Anlauf. „Mann gegen Mann“ heißt es jetzt, eine Ode an alle Homosexuellen. Wie beim ersten Mal interpretiert ist es kein Hasslied auf die gleichgeschlechtliche Liebe sondern eher eine satirische Ansicht auf die, leider immer noch, prüde Ansichtsweise der Schwulen und Lesben in der Gesellschaft. Allein der Mut Rammsteins sich mit diesem leicht missverstandenem Thema auseinander zu setzen zeugt schon von großem Kino. Musikalisch knallt der Track dann auch noch richtig, sodass man sagen kann: Alles klar, geht gut rein!
Dann der Titeltrack „Rosenrot“. Eingeleitet vom Bass und mit melodischen Gesang entwickelt sich das Lied allerdings zum Rohrkrepierer. Obwohl es nach „Dalei Lama“ vom „Reise, Reise“-Album die zweite Adaption eines Goethe-Textes ist (Heiderößlein) verliert das Lied sich in unterirdischer Langeweile. Und was soll das blöde Video??
Es folgt „Spring“, ein Lied welches sich mit der Sensationsgeilheit der heutigen Generation auseinander setzt. Ein Selbstmord durch Sprung von einer Brücke wird thematisiert bei dem Menschenmassen zwar zusehen, aber nicht helfen wollen. Grundlage des Liedes ist das Keyboard welches eine dunkle Stimmung erzeugt. Der Rest der Instrumente spielt einen langsamen Takt doch rechtzeitig zum Sprung wird der Härtegrad noch einmal angezogen. Der Gesang ist nicht das Beste was die sechs Musiker bisher aufgenommen haben, aber im Gesamtpaket ein guter Song.
Das Rammstein Gefühle haben wird ja trotz einiger ruhigerer Lieder in der Vergangenheit noch immer bezweifelt. Doch was Rammstein mit „Wo bist du?“ abliefern ist der Beweis das auch harte Kerle gerne mal im Schmalztopf baden. Grauenvoll fällt mir nur ein. Das Tasteninstrument spielt eine Pop-Melodie ala Timberland und von Lindemann hat man das Gefühl er möchte demnächst Operette singen. Der Rest? Nicht bis gar nicht vorhanden. Weg damit!
Und es kommt noch schlimmer „Stirb nicht vor mir (Don´t die before i do)“ heißt der nächste Schmachtfetzen. Unterstützt von Sharleen Spiteri (Sängerin der britischen Band TEXAS) heult sich Till Lindemann mal so richtig aus. Taschentücher bitte ans Rammstein-Label schicken – oder an mich, ich hab keine Zewas mehr zum Kotze wegwischen.
Hey, der Titel „Zerstören“ klingt doch gut. Und ja, das Lied geht anfangs gut ab: Gitarren braten, Drums donnern und das Keyboard spielt eine interessante Melodie. Nur textlich ist der Wurm drin, denn so verheißend der Titel auch ist, diese Phrasen welche hier verdroschen werden gehen gar nicht. Und zum Ende hin gibt es dann noch ein Spieluhr-Solo. Muhahaha, wie lustig. Musikalisch ein guter Song.
„Hilf mir“ dachte ich mir bis zu diesem Lied schon des öfteren. Und hier kommt Hilfe! Vom Struwelpeter inspiriert schmeißen Rammstein eines der besseren Lieder dieses Album in den Raum. Das erste mal das ich bei dieser CD von Atmosphäre sprechen kann, eingeleitet durch Lindemanns klarem Gesang im Refrain, der stimmigen Instrumentalisierung und der klasse Umsetzung des Kinderbuch-Klassikers. Schöner wurde Pyromanie nie thematisiert. Geht doch!
Ja, Fiesta, Party! Amigos de la Ramsteinos singen heute ihren Mallorca-Hit „Te Quiero Puta!“ (Übersetzung: Ich liebe dich, Hure!) Was ist nur aus den Industrial-Metal Helden geworden? Party-Musiker? Ich meine, Experimente sind sicherlich okay, aber Bläser, ein Rumpel-Rhythmus und spanischer Text? Dann lieber noch 5 Millionen mal gezwungen werden „Finger im Po, Mexiko“ zu hören...
Das Gefühl einer hübschen Frau hinterher zu gucken, wenn man mal im Schwimmbad ist und diese an einem vorbei schwimmt, kennt wohl jeder Mann. Rammstein packen diese Gefühle in „Feuer und Wasser“ und fügen eine gewisse Nuance Perversität hinzu. Das Lied ist ruhig gehalten, mit klarem Gesang und einem zart-herben Text. Einzig das Keyboard spielt bis in der Mitte des Liedes ruckartig die Gitarren und das Schlagzeug einbrechen und Lindemann kräftig singt. Tolles Lied, wahrscheinlich das Beste der CD.
Und es folgt das Ende in Form von „Ein Lied“. Wie bereits „Los“ vom Vorgänger zählt zur musikalischen Untermalung einzig und allein eine Akustikgitarre und etwas Keyboard. Ein Lied für die Fans sollte es sein und ist es auch geworden. Ich würde dieses Lied als einzelnes in einem neuen Rammstein-Kosmos sehen denn es ist gut, wenn auch anders. Tolles Ende.

Zusammenfassend muss ich sagen das mit „Rosenrot“ das schwächste Album des Sechsers veröffentlicht wurde. Viel klingt unfertig oder nach B-Seite. Dem Erfolg tat das keinem Abbruch, doch bei mir begann der Mythos Rammstein zu bröckeln. Nun ja, Anfang November soll ja das neue Album „Liebe ist für alle da“ erscheinen. Ich bin gespannt.

6 Punkte

Anspieltipps: Feuer und Wasser, Mann gegen Mann, Hilf mir!, Ein Lied

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