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(Tocotronic - Schall und Wahn)
Es ist nicht leicht, einer Band die Treue zu halten, die man einst geliebt hat, die aber dann fast alles das wofür man sie liebte... mehr
Aufklärungsarbeit in Sachen Ska

geschrieben am 30.09.2009 von shark (Bewertung: 8/10)
zur Veröffentlichung Sex Sells von beNUTS
bisher 2169 Mal angesehen


An dieser Stelle soll ein wunderbarer Tonträger einer leider viel zu unbekannten Band aus dem Süden Deutschlands gewürdigt werden: "Sex Sells", das vierte Album der beNuts.
Wem der Name beNuts nichts sagt, dem sei hier kurz das besondere an den selbsternannten Münchener "Skaoten" nähergebracht: seit 1994 treibt die Band ihr Unwesen und fällt seitdem besonders durch zwei Merkmale auf. Erstens durch die vielsprachigen Texte, die zwar meist auf Englisch, oft jedoch auch auf Deutsch oder Französisch oder Spanisch, manchmal sogar auf Japanisch, Kroatisch, Italienisch oder Arabisch sind. Zweitens durch die ständigen Besetzungswechsel. Aus der Gründungsformation der Band ist nach dem Ausstieg von Schlagzeuger Daniel Mauss 2008 niemand mehr übrig. Jedes der bislang fünf Studioalben (im Oktober 2009 erscheint Numero sechs) wurde mit einem anderen Sänger aufgenommen. Doch den beNuts hat der ständige Wechsel nur gut getan, denn sie haben sich mit jedem Album musikalisch weiterentwickelt und sich durch jedes neue Bandmitglied beeinflussen lassen. Zwar war des Bandsound stets im Ska verwurzelt, doch über die Jahre haben die beNuts auch Ausflüge in Punkrock, Polka, Jazz und arabisches Liedgut gewagt. Soweit der Exkurs zur Bandgeschichte, nun zu "Sex Sells".

Als das Album 2004 veröffentlicht wurde, hieß der Sänger der beNuts Rob Johnson und stammte aus Amerika. Der erste und bislang einzige ausländische Sänger der Bandgeschichte verleiht dem Album einen besonderen Touch, und zwar nicht nur durch seine markante, wirklich gute Stimme, sondern auch durch seine ausgeflippte Persönlichkeit, die vor allem in Einwürfen, manischem Gelächter und sonstigen wirren Geräuschen in den Instrumentalpassagen zum Vorschein kommt. "Sex Sells" lebt wie alle anderen Alben der beNuts (und wie viele Ska-Alben generell) von den lustigen, oftmals albernen Texten und der Energie, mit der die Band zu Werke geht. Auf "Turn Off Your Radio", dem bekanntesten und besten Song des Albums, rechnen die Münchener mit dem Mainstream-Formatradio ab und wünschen sich Jimi Hendrix zurück. Das ebenso geniale wie tanzbare "Slam" erklärt in seinem französischsprachigen Refrain das Rezept für einen mordsmäßig starken Longdrink. In "3 Condoms" hingegen wird der alte Witz mit dem Apotheker thematisiert, bei dem man Kondome kauft, nur um abends festzustellen, dass er der Vater der Angebeteten ist, mit der man gerne ins Bett würde. Und nicht zuletzt wird auf "Nightshow" augenzwinkerd das eigene Tourleben zerpflückt. Nicht nur bei den erwähnten Songs liefern die beNuts zusätzlich zu den witzigen Songtexten saftige Bläserarrangements, äußerst tanzbare Ska-Beats und manchmal gar ein verzerrtes Gitarrenriff oder feuriges Instrumentalsolo. Das passt alles, klingt wie aus einem Guss und macht verdammt Spaß.

Natürlich wissen die Bayern aber auch, wann es mal an der Zeit ist, nachdenklichere Töne anzuschlagen. Und auch hier gereicht das Organ Rob Johnsons den Liedern zum Vorteil. Melancholischere Lieder wie "Skankin' Lifetime" oder "Global Players Inc." sind natürlich trotzdem keine Balladen, sondern lediglich etwas gebremst in ihrer Tanzbarkeit. Insgesamt ist "Sex Sells" ein verdammt starkes Album, das nicht nur Ska-Freunden enormen Spaß bereiten wird. Schade, dass die beNuts nicht den Bekanntheitsgrad haben den sie verdienen, obwohl sie stets in ganz Deutschland und oft sogar im Ausland (darunter auch in Japan) touren. "Sex Sells" ist meines Erachtens neben seinem Vorgänger "Nutty by Nature" das beste beNuts-Album, auch wenn gegen Ende des Albums ein wenig Eintönigkeit einkehrt. Mit einem oder zwei Songs weniger wäre "Sex Sells" wirklich ein Meilenstein geworden.

2006 verließ Rob Johnson die Band, und mit ihm ging meines Erachtens auch das faszinierendste Element am beNuts-Sound. Sein Nachfolger El Konno ist ihm zwar stimmlich voraus, aber (noch) fehlt ihm ein wenig diese einzigartige Persönlichkeit, die der Amerikaner hatte. Nichtsdestotrotz sind auch die neuesten Veröffentlichungen der Münchener empfehlenswert - und zwar ganz klar nicht nur für Ska-Liebhaber. Shut Up and Dance!

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