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Queen - Die Alben
Immer locker bleiben

geschrieben am 04.10.2009 von shark (Bewertung: 8/10)
zur Veröffentlichung Backspacer von Pearl Jam
bisher 2055 Mal angesehen


Manchmal hat man es als etablierte, alteingesessene Rockband gar nicht leicht. Die langjährigen Fans wissen dann meistens genau, was ihnen am Sound der Band gefällt, und hassen große Veränderungen wie die Katze das Bad im Wasser. Ein jüngster prominenter Beleg für diese These ist Pearl Jam, eine der größten Bands der 90er. Denn der Aufschrei war nicht gering, als die letzten Überlebenden des Grunge mit The Fixer die Vorabsingle zum neuen Album veröffentlichten. Statt des bandtypischen atmosphärischen, melancholischen Rocksounds mit einem ernsten und ernsthaften Text erwartete den Hörer da eine knackige, knapp dreiminütige Pop-Rocknummer im besten Sinne, deren Atmosphäre und Melodie grundsätzlich positiv ausgerichtet war und die mit Hoffnung vermittelnden Textzeilen aufwartete wie "If something's dark / let me shed a little light on it". Du liebe Zeit, was ist denn mit Pearl Jam passiert?, fragten sich nicht wenige Mittdreißiger, deren Jugend die Amerikaner mit Liedern wie Alive, Rearviewmirror und Better Man geprägt hatten. Die Antwort ist einfach: Pearl Jam haben es offensichtlich satt, in ihrer Musik immer nur die traurigen Seiten des Daseins zu beleuchten. Viel wurde in den letzen Wochen und Monaten darüber spekuliert, was genau diese neue Lockerheit hervorgerufen haben mag. Der Abgang von George W. Bush spielt dabei mit Sicherheit eine Rolle, schließlich hatten sich Pearl Jam jahrelang im Kampf gegen den unbeliebtesten US-Präsidenten aller Zeiten aufgerieben. Mit Barack Obama ist - zumindest vorübergehend - eine Aufbruchstimmung in Amerika eingetreten, die sich wohl auch auf Pearl Jam ausgewirkt hat. Wie gesagt, einer der möglichen Gründe.

Aber letztlich ist es ja auch egal, warum sich Pearl Jam an eine Änderung ihres langjährigen Sounds gewagt haben. Fakt ist, dass "Backspacer", das neunte Studioalbum der alten Grunge-Helden, anders klingt als alle anderen Alben davor. Zudem ist es mit weniger als 37 Minuten Spielzeit klar das kürzeste, kompakteste Album, das Eddie Vedder und Kollegen je veröffentlicht haben. Die ersten vier Lieder sind allesamt kernige Rocknummern, die ohne Pause durchgeschrammelt werden. "Gonna See My Friend" leitet als wunderbar melodiöses, wiederum hoffnungsfroh gefärbtes Statement das Album ein. Danach folgt mit Got Some der drohendste, wütendste Song auf diesem sonst so überraschend lockeren Album. Die bekannte, aber mit jedem Hördurchlauf an format gewinnende Single "The Fixer" und das wiederum überzeugende "Johnny Guitar" runden das Eröffnungsbombardement ab. Erst dann wagen sich Pearl Jam mit Just Breathe an eine ruhige, atmosphärische Akustikballade. Aber auch hier ist der Grundtenor ein positiver, nicht ein melancholischer. "I'm a lucky man to count on both hands the ones I love", sinniert Vedder darüber, wie viel Glück er eigentlich in seinem Leben hatte. Am Schluss des Albums kommt mit "The End" eine ebenso schöne Komposition, die durch ihr abruptes Ende einen herrlichen Ausklang für "Backspacer" bildet. Dazwischen erwarten den Hörer mit "Amongst the Waves", "Unthought Known" und dem Ohrwurm "Force of Nature" melodiöse Midtempo-Rocksongs.

Mit "Supersonic" schwenken Pearl Jam dann an achter Stelle der Tracklist kurzzeitig ins schnelle Tempo von Beginn des Albums zurück. Der von Gitarrist Stone Gossard geschriebene Song erinnert zu keinem geringen Teil an die Ramones und ist ein klares Highlight des Albums. "Speed of Sound", das auf dem Fuße folgt, ist das genaue Gegenstück zu "Supersonic". Ein getragener, zum schunkeln einladender Song, der aber nicht vollends überzeugen kann. In dieser Hinsicht bildet das Lied aber eine Ausnahme, denn "Backspacer" ist trotz aller Unkenrufe von Seiten der Fans ein überzeugendes Album geworden. Nach mehrere Hördurchläufen relativiert sich das Revolutionäre an der neuen Eingängigkeit und Lockerheit etwas. Pearl Jam sind ja nicht über Nacht zu einer Popband aus dem Radio mutiert, sondern haben alle ihre Markenzeichen beibehalten und nur leicht verändert. Die Gitarrenarbeit von Gossard und Mike McCready sowie das Schlagzeugspiel von Matt Cameron sind immer noch auf technisch höchstem Niveau und über jeden Zweifel erhaben. Vedders Reibeisenorgan klang, obwohl er diesmal viel melodiöser singt, seit Jahren nicht mehr so bissig und überzeugend. Zwar ist "Backspacer" mit Sicherheit nicht das beste Album der Pearl Jam-Geschichte - dafür fehlt ihm dann doch der Tiefgang und das mitreissende, das "Ten", "Vs." oder "Vitalogy" so einzigartig gemacht hat. Aber es ist ein sehr gutes Spätwerk, das aufzeigt, dass Pearl Jam eine einzigartige Band sind. Sie haben in ihrer Karriere bislang noch kein einziges schlechtes Album veröffentlicht. Welche Gruppe im 20. Jahr ihres Bestehens kann das von sich behaupten? In diesem Sinne kann man absolut verstehen, warum Pearl Jam die Sache mittlerweile nicht mehr so eng sehen.

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