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Rezensionen

(Adams, Bryan - Reckless)
Reckless (engl. für: „Rücksichtslos“) ist das vierte Studioalbum des kanadischen Rocksängers Bryan Adams, das im Oktober 1984 erschien. Es gehört bis heute zu seinen erfolgreichsten... mehr
Stacheldraht im Hörkanal

geschrieben am 20.10.2009 von Zodiarche (Bewertung: 7/10)
zur Veröffentlichung Liebe ist für alle da von Rammstein
bisher 4501 Mal angesehen


Was haben Rammstein und die Japanischen Kampfhörspiele gemeinsam? Keine Ahnung? Nun ja, die Sektion JaKa schrieb einst ein Lied namens „Komm, wir drehen einen Porno“ und ich vermute das Rammstein dieses Lied kennen und es auch noch verdammt ernst genommen haben. Die Single „Pussy“, welche letzten Monat als erste Auskopplung des sechsten Studio-Albums „Liebe ist für alle da“ erschien, bekam als Musikvideo einen Porno-Clip spendiert, inklusive Hardcore-Sexszenen, auf den Astralkörpern aufgesetzte Köpfe und große schwarze Balken bei MTVIVA. Rammstein spalteten wieder einmal die Nation in zwei Gruppen: Die Die-Hard-Fraktion, welche den Song und den Clip als Kunst abfeierten und entsetzte Fans und aufgebrachte Jugendschützer, welche das alles „abstoßend“ und „widerlich primitiv“ fanden. Doch eben dieser Rummel bescherten Rammstein eine permanente Ablichtung in Fernsehen und Medien mitsamt Werbung für das nächste Album. Doch hat die Provokation Sinn und das Album ist es wirklich wert, oder haben wir hier nur eine musikalische Erektionsstörung?

Das Album beginnt mit einem atmosphärischen, düster wirkenden Anfang und einer klar gesungen Passage des Frontmannes Lindemann, bevor sämtliche Instrumente gleichzeitig zum Begrüßungsschlag ausholen. „Ramm-Lied“ heißt der Opener der gleich mal klarstellt wer für die nächste dreiviertel Stunde den Hammer schwingt. Der Song geht gut ab und vereint schon von Anfang an all das was man an „Rosenrot“ (2005) vermisst hat: Härte, Mitsingpassagen und typisch stumpfe Gitarren-, Bass- und Drumrhythmen. Allerdings kommt der Text etwas zu selbst verherrlichend her was mich doch etwas an die Böhsen Onkelz (R.I.P.) erinnerte. Das der Song dennoch funktioniert liegt daran das die Band genau das macht was sie immer am besten konnte: Mit Krach unterhalten!
Lied Nummer 2 hört auf den Namen „Ich tu dir weh“. Man muss kein Literaturprofessor sein um sich vorstellen zu können um was es in diesem Stück Musik geht. Der Text beschreibt verschiedene BDSM-Spielchen in denen Nägel, Stacheldraht oder sogar Nagetiere vorkommen. Die Instrumentalisierung geht in Ordnung. Aufhorchen lässt lediglich ein kleines Elektro-Solo und die etwas ruhigere Passage im letzten Drittel. Sollte es zu diesem Lied ein Video geben wird es wahrscheinlich das selbe Schicksal ereilen wie sein Vorgänger. Eine typische Rammstein-Nummer mit mittlerer Holzhammer-Provokation. Geht in Ordnung.
„Waldmanns Heil“ kommt dagegen etwas flotter zur Sache. Nach einem kurzen Horn-Intro wird erstmal gezeigt wo Rammstein ihre Wurzeln haben. Der Song prescht direkt vor und macht keine gefangenen, man selbst hat das Gefühl das vor dem inneren Auge ein Hetzjagd stattfindet. Der (zugegeben etwas stumpfe) Refrain, welcher nur aus dem Wort „STERBEN“ besteht bleibt allerdings gut im Ohr und man ertappt sich immer wieder dabei diese kurz Textpassage mitzusprechen. Den Text hätte man vielleicht noch etwas ausbauen können, aber auch sonst tut er einen guten Dienst und stellt dieses Lied als ersten Höhepunkt des Albums auf. Ich hoffe nur das ich demnächst nicht irgendwo einen Artikel lesen muss, welcher der Band wegen des oft wieder holten „Weidmanns, -manns, -manns, -manns Heil!“ nationalsozialistische Züge unterstellt.
Das musikalisch interessanteste Stück heißt auf dieser CD „Haifisch“. Mit einem Elektro-Beat unterlegt führen lediglich Schlagzeug und Bass durch das Lied. Nur im Refrain, welcher an die Drei-Groschen-Oper angelehnt ist dürfen die Gitarren braten. Nur, wie erwähnt, musikalisch ist alles im grünen Bereich, textlich denke ich das man die Strophen vielleicht umarrangieren könnte, oder sie gleich ganz weg lässt. Denn, was einem da entgegen kommt klingt nach einer halbherzigen „Los“-Kopie. Der Refrain ist geil und ein echter Ohrwurm. Alles in allem ein guter Song.
Nummer fünf schreibt sich „B******“, ausgesprochen „Büxtabü“. Was das heißt werden wir wohl nie erfahren. Nur geht es im Text darum das man dieses „Büxtabü“ unbedingt haben will doch einem davon immer wieder abgeraten wird. Komisches Teil. Auch musikalisch gibt es nicht mehr geboten als Rammsteinsche Hausmannskost. Eines der schwächeren Lieder der CD und kein Anspieltipp von meiner Seite.
Dann, zumindest in meinen Ohren, der absolute Tiefpunkt „Frühling in Paris“. Ich mag es wenn Rammstein experimentieren, nur leider kam da bis jetzt meistens immer Blödsinn bei raus („Te Quiro Puta“, irgendwer?). So auch hier. Wenn Till Lindemann zu einer Akustikgitarre und dem Schlagzeug einen Chanson anstimmt, welcher von Sex handelt, klingt es einfach nur lächerlich. Überhaupt finde ich das Rammstein, sollten sie nicht´s provokantes mehr in der deutschen Sprache finden, nicht in anderen Sprachwelten wildern sollten. Dieses Lied ist einfach nur langweilig und lädt mich nicht einmal dazu ein weiter über die eigentlich interessanten Strophen nachzudenken. Pfui bah!
Dann ein Lichtblick! „Wiener Blut“ heißt Track Nummer 7 und handelt vom Fall Natascha Kampusch welcher sich 2006 in Österreich ereignete. Eingebettet in elektronischen Sphären erzählt Lindemann aus der Sicht des Peinigers Joseph Fritzl. Die Strophen wirken bedrohlich, einen Refrain gibt es nicht wirklich, außer ein paar gebrüllten Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Wörtern.
Dennoch macht das Spaß wenn die Gitarristen bei eben diesen anständig in die Saiten greifen und zum Ende hin die Atmosphäre nochmal angehoben wird. Zweiter Höhepunkt und Anspieltipp für Old-School-Anhänger der Band.
Über „Pussy“ zu schreiben bedeutet alles wieder aufzurollen was schon geschrieben wurde. Ich fasse mich kurz: Provokantes Video, check! Provokanter Text, check! Massenkompatibilität durch Ohrwurm-Refrain, check! Eigentlich ist dieses Lied eher für den Gothic-Tanztempel nebenan geprägt als für Rammstein-Anhänger. Das ich das Lied dennoch nicht verreiße liegt daran das eben dieses Patchworking wieder einmal funktioniert und ich das Lied warscheinlich auf jeder Party mitschleppen werde. Auf meinem IPod ist es mittlerweile ein Kandidat für die Skip-Taste...
Das Titellied „Liebe ist für alle da“ steht an nächster Stelle. Kaum angeschaltet scheppert es schon durch den Raum. Die Instrumentalisierung zieht erstmal anständig den Gashebel an, bevor es etwas abgehackter wird. Erinnert etwas an die Nu Metal-Gruppen am Anfang des Jahrtausends. Der Text handelt von sexueller Begierde und ist nicht gerade das Pünktchen auf dem I, dafür entschädigt der Refrain welcher mit einer schönen Melodie ausgestattet ist und zum mitsingen einlädt, mitsamt penetranten Ohrwurm. Zwischendurch gibt es wieder ein kleines Solo, dann ncoh ein Refrain und Ende. Alles in allem das kürzeste Lied der CD, geht aber vollkommen in Ordnung.
Und da wir ja alle „Mehr“ wollen hier nun Lied Nummer Zehn. Generell darf man sagen das dieses Lied in den Strophen ziemlich ruhig gehalten ist, in den Refrains (welche wiedermal nur aus einem Wort bestehen – ratet mal welches...) wird etwas angezogen, aber es geht immer noch nicht als hart durch. Der Text handelt von übermäßiger Gier nach allem was man bekommen kann, auch wenn es nicht sein eigen Gut ist. Kritisch soll es wohl wirken, doch eigentlich wirkt es eher so als wären Till Lindemann zwischendurch die Ideen ausgegangen. Schade.
Das Ende der regulären CD beginnt mit einem Pfeifen. „Roter Sand“ erzählt die Geschichte zweier Duellanten, welche sich im Streit um eine Frau zu einem Revolver-Duell treffen. Lindemann erzählt aus der Sicht des Unterlegenen und liefert hier seine beste Gesangsleistung auf dem Album ab. Textlich ist es auch mein Favorit weil einfach alles passt. Warum nicht öfter so? Musikalisch ist es ruhig und wird getragen von einer Gitarre und dem Keyboard.Zum Ende hin wird die Atmosphäre noch einmal stark nach oben geliftet, so dass man das Gefühl hat ein ganzes Orchester hätte an diesem Lied mitgearbeitet. Das einzige was etwas nervt ist die gepfiffene Melodie welcher immer wieder mal zwischen geschoben wird. Nichtsdestotrotz mein absolutes Highlight der normalen CD. Starkes Stück.

So, die CD wäre jetzt eigentlich vorbei, da ich mir allerdings zwecks Bonustracks die ITunes-Version gekauft habe möchte ich auch noch diese Lieder ansprechen.

Der erste Track hört auf den Namen „Führe mich“ und handelt von dem Leben siamesischer Zwillinge. Die musikalische Untermalung ist wieder etwas abgehackter und hätte auch perfekt auf „Herzeleid“ gepasst. Die Strophen gehen klar, der Refrain wirkt erzwungen und wenn der Frontmann versucht etwas höher als normal zu singen merkt man das der Produzent da wohl etwas mit dem Computer nachgeholfen hat. Insgesamt der schwächste Bonustrack.
Nachfolgend spendiert man uns „Donaukinder“, ein Lied welches den Baia-Mare-Dammbruch aus dem Jahr 2000 behandelt. Musikalisch wirkt das ganze Lied sehr erhaben, getragen vom Bass und Schlagzeug erzählt Lindemann mit metaphorischen Mitteln von der Umwelt-Katastrophe welche damals verheerende Schäden anrichtete. Der Refrain bleibt schön im Ohr und die Melodie wird sicher oft mitgesummt. Nicht das schnellste Lied, aber eines der Besten. Vor allem der Kinderchor am Ende des Liedes, welcher mir immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken jagt, ist sehr genial in Szene gesetzt. Warum dieses Lied nicht auf dem regulären Album zu finden ist wird mir ein Rätsel sein. Einer meiner Favoriten.
„Halt!“ handelt von einem Menschen der aus der psychiatrischen Behandlung entlassen wird, doch einen Rückfall in sein misanthropisches Denken erlebt, bis es sich in einem Amoklauf gipfelt. Ein harter Song, welcher durch seine abgehackte Spielweise stark an Brutalität gewinnt wenn sich harte Passagen mit ruhigen Teilen abwechseln. Die Stimme von Till klingt gequält und man würde ihm seinen Menschenhass wahrscheinlich abkaufen. Der Refrain kommt wieder etwas epischer rüber und fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Insgesamt ein geniales Lied das ich auch lieber auf dem Album gesehen hätte, da es mein Favorit auf der Bonus-CD ist. Genial!
Die „Roter Sand (Orchester Version)“ braucht, denke ich keine Erklärung. Es wird auf elektrische Unterstützung verzichtet und auf klassische Instrumentalisierung gesetzt. Textlich tut sich nicht´s. Sicherlich schön gemacht, ich bevorzuge aber die Original-Version.
Und „Roter Sand“ die Dritte? Nein, die Melodie ist dieselbe, aber der Text heißt nun „Liese“. Vergewaltigung einer Gänsehüterin lässt sich als Thema aufschreiben. Begleitet von der düsteren Atmosphäre des Original-Liedes (und leider auch von dem Gepfeife), stellt sich ein leicht bedrohliches Gefühl ein. Doch auch hier bevorzuge ich das Original, weil „Liese“ stellenweise doch etwas gewollt klingt. Provokant klingt anders.
Als letztes Lied, und nur in der ITunes-Version enthalten, bekommen wir einen Remix des Openers „Ramm-Lied“ von Machine Head spendiert. Das diese Band musikalisch etwas zackiger ist als Rammstein muss, so denke ich, nicht erwähnt werden. So bekommen wir auch viel Doublebass-Drumming und die Saitenfraktion rifft sich den Arsch weg. Der Gesang wirkt eingebettet in dieses Thrash-Gewitter fast schon lahmarschig. Im direkten Vergleich mit dem Original bevorzug eich aber dieses Lied, weil es einfach etwas mehr knallt.

So... Zusammenfassend darf ich sagen das Rammstein wieder da sein wo sie nach Mutter aufgehört haben. Musikalisch Brachial, textlich (meistens) Überzeugend.
Auf dem normalen Album befinden sich vier echte Knaller, ein Totalausfall und sechs durchschnittliche bis gute Songs.
Die Bonustracks beinhalten zwei fette B-Seiten, einen geilen Remix, sowie zwei gute und ein überflüssiges Lied.
Summasummarum macht das sieben Punkte für das Album, Besitzer der Bonus CD dürfen einen Punkt addieren.

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