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Multikultureller Spaß

geschrieben am 05.11.2009 von shark (Bewertung: 6/10)
zur Veröffentlichung Shut Up and Dance von beNUTS
bisher 2407 Mal angesehen


Seit sage und schreibe 15 Jahren treiben die beNuts nun schon ihr Unwesen auf sämtlichen Bühnen Bayerns und den allermeisten Gesamtdeutschlands. Nach zahlreichen Besetzungswechseln ist seit dem Abschied von Schlagzeuger Daniel Mauss im Jahr 2008 kein einziges Gründungsmitglied mehr bei den selbsternannten Skaoten aus München dabei. Doch was bei anderen Bands zu einem Verlust der Identität geführt hätte, hat den Bandsound der beNuts unzweifelhaft bereichert. Vor allem der häufige Wechsel des Sängers - mit dem vorliegenden "Shut Up and Dance" haben die BeNuts erstmals zwei Alben am Stück mit demselben Sänger aufgenommen, hat stets zu neuen Facetten im Klang der bayrischen Knallköpfe geführt.

Der aktuelle Sänger Konrad "El Konno" Wissmath, seit Ende 2006 in der Band, hat eine Jazzausbildung am Münchener Konservatorium genossen und wartet mit einem vielseitigen, angenehmen Gesang auf. Um ihn herum haben sich in den letzen Jahren viele neue junge und deshalb hungrige Musiker zusammengefunden, die es auf "Shut Up and Dance" verstehen, traditionelle BeNuts-Elemente mit neuem zu vermischen. Unter den traditionellen Bausteinen sticht vor allem wie immer die Vielsprachigkeit der Songtexte hervor. Hatten die Münchener früher schon Songs auf Französisch, Spanisch, Kroatisch und auch Russisch aufgenommen, hat auch das neue Album wieder zahlreiche gelungene Ausflüge in fremdsprachiges Terrain zu bieten. In "Mai Nichi" verbeugt sich El Konno vor den Fans in Japan (schließlich waren die BeNuts dort schon zweimal auf Tour), "Mystère" beschwört eine französische Liebschaft herauf, das abgedrehte "Wa'lhamdu Li'llah" wird in astreinem kehligem Arabisch vorgetragen und in "Wodka Poesd" wird beeindruckend gut der besoffene Russe imitiert. Dazu gibt es die gewohnte Mischung aus Ska-Beats mit feurigen Bläsersätzen und leichten Folk- und Punkausflügen zu hören. Neu sind hingegen die ungewohnte Instrumentierung und die fernöstlichen bzw. arabischen Elemente in den oben angesprochenen Japanischen und Arabischen Liedern. Auch ist auffällig, dass diesmal gleich drei deutschsprachige Songtexte zu finden sind - die Heimatsprache haben die BeNuts früher nur in Ausnahmefällen benutzt.

Generell sind die Songtexte, früher ein weiteres Markenzeichen der Band, diesmal um einiges weniger ausgeflippt gehalten. Sangen die BeNuts früher über "Masturbation", über "Selbstmord im Schulsport", über eine Freundin, die im Nebenberuf "Ninja" ist, oder ums versehentliche Auslöschen der gesamten Familie ("Bang Bang"), geht es diesmal hauptsächlich darum, die Sorgen des Alltags zu verdrängen (im Titellied), um geglückte oder weniger gelungene amouröse Erfahrungen ("Mystère" und "Versetzt") oder um dämliche Gesellschaftstrends ("Schnauze voll"). Der Spaßfaktor wurde also zugunsten einer leicht gesellschaftskritischen Haltung etwas zurückgefahren. Und so pendelt das Album zwischen alt und neu, zwischen bewährt und leicht experimentell. Schlecht ist das alles nicht, und die BeNuts machen immer noch eine Menge Spaß. Aber insgesamt zündet "Shut Up and Dance" nicht so, wie es noch die bandeigenen Klassiker wie "Nutty by Nature" oder "Sex Sells" taten. Ein paar Songs wie "Road to Nowhere" und "Day Off" zischen einfach so vorbei, ohne bleibende Spuren zu hinterlassen. Tanzen kann man zu der Musik aber immer noch 1a, und Lieder wie "Wa'lhamdu Li'llah" gehen ja mal sowas von grandios ab, dass kein Auge trockenbleibt. "Shut Up and Dance" ist ein teilweise tolles Album, das den BeNuts garantiert viele neue Fans bescheren wird, das einen alten Fan wie mich aber nicht vollends überzeugen kann.

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