Zur Zeit sind 1 Gäste und 0 Mitglieder online

A bis Z

Künstler von A - Z
Sampler von A - Z
Personen von A - Z
Festivals von A - Z
Label von A - Z
Studios von A - Z

Rezensionen

(Rammstein - Reise, Reise)
2001 war wohl DAS Rammstein-Jahr: Von Null auf Eins in den Deutschen Charts mit dem Album „ Mutter“, dazu ausschweifende Welttourneen und Top-Platzierungen unter anderem... mehr
Liebe - ganz mittelalterlich viergeteilt

geschrieben am 06.11.2009 von Sunderland (Bewertung: 7/10)
zur Veröffentlichung Darkest Days von Stabbing Westward
bisher 1933 Mal angesehen


Ein vierteiliges Konzeptwerk über eine gebrochene Beziehung sollte es werden, das Nachfolgealbum zum mit Gold verzierten Erfolgsalbum "Wither Blister Burn & Peel". Geworden ist es in erster Linie ein kommerzieller und - glaubt man zeitgenössischen Kritiken - künstlerischer Flop. Was steckt hinter dem Album, das so viele Ambitionen zu tragen scheint und so wenig einlöste?

Verzerrte Gitarren in Begleitung von Scratching eröffnen die "Darkest Days", als sich ein Glockenspiel einreiht sowie der Bass, der charakteristisch ist für den Sound: zwölf Anschläge, bis die nächste Note mit wiederum zwölf Anschlägen gespielt wird, in insgesamt vier Variationen, bevor sich die Prozedur wiederholt. Ein einfaches Akkordsystem, das mit einem Sänger abgeschmeckt wird, dessen Gesang sich konstant gegen die Melodieführung der Instrumente abfärbt und der eine Tendenz zum Verzerrten aufweist. Langsamkeit und Dreck im Sound kokettieren wie in “Everything I Touch” noch mit der auslaufenden Grunge-Bewegung, allerdings spielt die Ausgefeiltheit der Konzeptausrichtung dem entgegen.

Ohnehin fehlen trotz der hohen Trackanzahl die hingerotzten “Filler”. Jedes der 16 Kapitel der vierteiligen Suite weist eigene Ideen auf und kann für sich als Song bestehen. Die Variabilität spielt sich vor allem im Bereich der Elektronika ab. Die simplen RAGE AGAINST THE MACHINE-Riffs von “How Can I Hold On” beispielsweise gewinnen erst durch die dominanten Samples an Substanz. Das gewinnt in “The Thing I Hate” Überhand, ein technoides Monstrum irgendwo zwischen RAMMSTEIN, elektronischen FEAR FACTORY und MORTAL KOMBAT-Soundtrack, und das Ganze dann mit OFFSPRING-Refrain.

“You Complete Me” ist der stärkste Ohrwurm des Albums. Gespielt wird ein Refrain, den man in schnellerer Form durchaus kennt, in hypnotisch-langsamer Geschwindigkeit, die die Gitarre dazu nutzt, Schnörkel einzubauen. Repräsentativ für das gesamte Album wird hier das Gefühl entfesselt, man laufe im Traum einem Verfolger fort und besteige dazu eine Treppe, deren Stufen aus flüssigem Zement bestehen.

Dieses Gefühl dürfte in Anbetracht der Thematik so auch beabsichtigt gewesen sein. Inwiefern STABBING WESTWARD ihrem selbstauferlegten Anspruch allerdings gerecht werden, gleich vier Stimmungen auf ein Album zu zaubern, ist fraglich. Zwar fällt auf, dass “Darkest Days” in der zweiten Hälfte sphärischer wird, insgesamt jedoch eignet sich die Monotonie des Industrial Rocks kaum dazu, unterschiedliche Emotionen zu erzeugen. Hier scheitert die Platte phasenweise an künstlich erzeugten Hürden. Dass jedenfalls einmal die systematische Zerstörung der Beziehung (Track 1-4), einmal Verlangen und Hoffnung (5-8), einmal der Aufprall auf dem Boden der Tatsachen (9-12) und einmal der Neuanfang (13-16) thematisiert werden, wird nur bedingt deutlich.

Auf der Suche nach Geniestreichen wird man nicht gerade fündig, auch konzepttechnisch hadern STABBING WESTWARD da eher im Standardwasser, aber für straighten, druckvollen Industrial Rock ist “Darkest Days” auch heute noch verdammt gut zu gebrauchen.

Alle Rezensionen von Sunderland anzeigen


zurück zur Veröffentlichung