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Jahrmarkt der Belanglosigkeiten

geschrieben am 15.12.2009 von shark (Bewertung: 5/10)
zur Veröffentlichung Raditude von Weezer
bisher 2073 Mal angesehen


Dass Rivers Cuomo ein schlaues Kerlchen ist, sieht man sofort: die Hornbrille, seit mindestens 15 Jahren DAS Markenzeichen des Weezer-Frontmanns, ist ein untrügliches Zeichen dafür. Noch dazu hat der selbsternannte Nerd vor dem Herrn auch noch in Harvard Literaturwissenschaften studiert, was man ihm auch ohne Diplom ohne weiteres abnehmen würde.
Cuomo wird sich selbst also schon länger darüber im Klaren sein, was auch Hardcore-Weezerfans langsam realisieren: eine Platte wie das legendäre Debütalbum oder Pinkerton wird er mit seiner Band nicht mehr hinbekommen. Das klingt jetzt zunächst mal ziemlich hart, aber das muss ja nicht zwangsläufig heißen, dass Weezer nie wieder ein gutes Album veröffentlichen werden. Auch ohne den Geek-Alternative-Rock und die persönlichen Texte der ersten beiden Texte kann eine Band wie Weezer immer noch beste Unterhaltung liefern, wofür nicht zuletzt das unabstreitbare Talent des Herrn Cuomo für eingängige Melodien bürgt.

Nachdem Weezer ja Anfang bis Mitte des neuen Jahrtausends mit Maladroit und Make Believe zwei - gelinde gesagt - umstrittene Alben vorgelegt hatten, ging es mit dem roten Album vom letzten Jahr wieder leicht bergauf. Cuomo hatte seine Bandkollegen auch mal am Songwriting-Prozess teilhaben lassen und ihnen sogar Gesangsauftritte zugestanden. Auf einmal bekam die Weezer-Zukunft ein Bild: das könnte doch eine gute Lösung sein, um die Band in aufregender Form am Leben zu erhalten. Und nun das: knapp eineinhalb Jahre nach dem roten Album steht Longplayer Nummer sieben, "Raditude" in den Läden und verlässt nicht nur diesen hoffnungsvollen Pfad, sondern wirft auch noch einige besorgniserregende Fragen auf.

Zuallererst diese hier: warum muss sich eine Band wie Weezer im 18. Jahr ihres Bestehens, nach so vielen Glanztaten in den Neunzigern, mit einer so enormen Fanbasis, dermaßen krampfhaft an die MTV-Oberflächenkultur der Neuzeit anbiedern? Warum muss in einem ohnehin schon unsäglichen Lied wie "Can't Stop Partying" auch noch Lil' Wayne einen unpassenden Rap-Part drüberkrächzen? Warum schreibt Rivers auf einmal so viele banale Songtexte, die stellenweise nicht mal mehr ironisch zu deuten sind? Und warum dürfen, bis auf Drummer Pat Wilson bei "In the Mall", die Bandkollegen nun auf einmal wieder nichts mehr beisteuern? Fragen über Fragen, die vor allem auf einen zentralen Aspekt hindeuten: "Raditude" ist kein gutes Album. Es ist gelinde gesagt eine Enttäuschung und macht vieles von der Hoffnung, die Weezer letztes Jahr noch andeuteten, wieder zunichte. Tja.

Natürlich gibt es immer noch tolle Momente auf diesem Album. Komplett verloren kann Cuomo sein Talent ja auch nicht haben. Also kann er immer noch Kracher wie die erste Single "(If You're Wondering If I Want You to) I Want you to" aus dem Ärmel schütteln, ein energiegeladenes Poprock-Stück in bester Weezer-Tradition. Dieses eine Lied vereint alles, was die besten Weezer-Songs ausmacht - unbändige Power, einige herrliche Textzeilen aus dem Nerd-Kosmos und eine Ohrwurmmelodie, die sich penetrant in die Gehörgänge einschließt. Doch ist "I Want you to" dann auch schon das absolute Highlight auf "Raditude". Ein paar weitere Songs wie "I'm Your Daddy" und das in Zusammenarbeit mit den eigentlich furchtbaren All-American Rejects komponierte "Put Me Back Together" weisen dann noch gute Refrains auf. "Let It All Hang Out" ist das räudigste Stück auf der Platte und lässt die Gitarren in einer Weise jaulen, die angenehm an "Holiday" vom Debütalbum erinnert. Auch dieser Song geht in Ordnung, ebenso wie "In the Mall", das deswegen der unkonventionellste Song der Platte ist, weil es wie oben erwähnt von Pat Wilson geschrieben wurde.

Aber dann gibt es halt auch grauenhafte Aussetzer wie jenes "Can't Stop Partying" oder die üble Bollywood-Schmalznummer "Love is the Answer" mit indischem Gejodel und Sitar. "Trippin' Down the Freeway" ist ein ziemlich belangloser Durchschnitts-Rocksong, den Weezer früher nicht mal als B-Seite gebracht hätten. Bei all diesen Kuriositäten und Banalitäten muss man sich schon fragen: Was hat Rivers Cuomo hier geritten? Weezer haben zwar im neuen Jahrtausend ohnehin schon viel von ihrem Mythos aus den Neunzigern eingebüsst, aber "Raditude" sägt mit seiner MTV-Partyrock-Attitüde bedenklich am eigenen Denkmal. Hoffentlich sieht Cuomo ein, dass dies hier nicht der Weg sein kann, den Weezer weiter beschreiten soll. Hoffentlich fällt ihm ein besserer Weg ein, seiner Band wieder Genialität zurückzugeben. Er ist ja ein schlaues Kerlchen.

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